Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 20

zm 107, Nr. 20, 16.10.2017, (2308) Die AG „PAR“ mit Vertretern von KZBV, BZÄK und der DGParo hat ihre Arbeiten am PAR-Versorgungskonzept der Zahnärzte ab- geschlossen. Das Konzept selbst soll auf der KZBV-Vertreterversammlung zum Deutschen Zahnärztetag am 8. und 9. November auf breiter Basis abgestimmt werden. Jetzt hat der KZBV-Beirat auf seiner Sitzung am 28.9. in Stuttgart ein positives Votum abgegeben. Zuvor hatte sich auch der BZÄK-Vorstand positiv zu dem Konzept positioniert. Unterversorgung belegt Handlungsbedarf Das umfangreiche Konzept, das derzeit vom gesamten Berufsstand und der Wissenschaft in langer Vorarbeit vorbereitet und konsen- tiert wird, zielt darauf ab, die Versorgung von Parodontaltherapien neu zu struktu- rieren (siehe zm 14/2016, S. 26–30). Der KZBV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Eßer machte auf dem Beirat die Faktenlage deutlich: So habe die DMS-V-Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) gezeigt, dass die Prävalenz von Parodontopathien immer noch über 50 Prozent liegt. Hinzu kämen jährlich 500.000 neue Fälle. Durch den de- mografischen Wandel sei außerdem mit einer deutlichen Zunahme einer bedarfs- gerechten Therapie zu rechnen. Eßer: „Dies offenbart, dass man aktuell von einer deut- lichen Unterversorgung der Parodontitis ausgehen muss. Das steht im Gegensatz zur nach wie vor hohen Prävalenz und verdeut- licht den dringenden Handlungsbedarf.“ Die heutige PAR-Versorgung entspreche nicht mehr dem neuesten Stand der Wissen- schaft, erläuterte Eßer weiter. Die KZBV habe es sich in ihrer Agenda Mundgesundheit 2017 zum Ziel gemacht, die Bekämpfung der Parodontitis in Deutschland in den Mittelpunkt zu rücken. Auch die European Federation of Periodontology (EFP) hat das Thema zur gesamteuropäischen Aufgabe erklärt. BZÄK und KZBV haben deshalb gemeinsam mit der Wissenschaft den aktuellen Handlungsbedarf identifiziert und die Gründe, die ein Handeln erforderlich machen, benannt: Parodontitis ist eine chronische entzünd- liche Erkrankung Parodontitis steht in Zusammenhang mit schweren allgemeinen Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Pneumonien, Herz- Kreislauf-Erkrankungen, aber auch mit Früh- geburten. Durch Studien ist belegt: Je ausgeprägter die Parodontitis ist, desto größer können auch die Komplikationen des Diabetes sein. In der Bevölkerung aber ist dies noch weitgehend unbekannt, im Bewusstsein vieler Menschen handelt es sich bei der Parodontitis fälschlicherweise noch immer um eine Bagatellerkrankung. Erschwerend kommt hinzu: Parodontitis ist eine schleichende stille Erkrankung. Die Zahnmedizin steht hier vor den gleichen Herausforderungen wie die Allgemein- mediziner bei der Hypertonie. Der Patient führt sich nicht krank und bagatellisiert die Symptome. Dies führt häufig selbst dann noch zu Problemen, wenn sich der Patient in die PAR-Behandlung begibt: nämlich durch einen „Compliance-Abriss“. Zusätzliche Schritte in der Therapie erforderlich Die gemeinsame Problemanalyse mit der Wissenschaft habe aufgezeigt, dass der Leis- tungskatalog der Gesetzlichen Krankenver- sicherung (GKV) längst nicht mehr dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entspricht. So fehlten bei der aktuellen Re- gelung der Parodontitistherapie (nach den derzeitigen Richtlinien des G-BA) wichtige Eckpfeiler für ein modernes Behandlungs- konzept. Die im neuen Versorgungskonzept angedachte Behandlungsstrecke sehe des- halb zusätzliche Elemente vor. Dazu gehört das Ärztliche Gespräch – ein wichtiger Therapieschritt im Anschluss an KZBV-Beirat Positives Meinungsbild zum PAR-Konzept Das Versorgungskonzept der Zahnärzteschaft zur Neustrukturierung der Parodontal- therapie hat einen weiteren wichtigen Zwischenschritt passiert. Kernpunkte des Konzepts, die der KZBV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Eßer vorstellte, wurden auf der KZBV-Beirats- sitzung am 28.9. in Stuttgart positiv aufgenommen. Für Patienten soll ein Bonussystem bei der UPT Anreize setzen und die Compliance unterstützen. Die KZBV-Beiratssitzung am 28.9. in Stuttgart, auf der Dr. Wolfgang Eßer (oben) die Kernpunkte des neuen Konzepts präsentierte. Fotos: pr-zm 18 Politik

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