Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 20

zm 107, Nr. 20, 16.10.2017, (2293) Die Parteien haben es vor der Bundestags- wahl oft bekräftigt: Digitalisierung bietet große Chancen, sie soll politisch zur Chef- sache werden, Deutschland soll endlich auf die Überholspur kommen, auch das Gesundheitswesen muss stark aufholen, andere Länder in Europa sind längst weiter ... et cetera, et cetera. Sie als Leserinnen und Leser verfolgen diese Entwicklungen ja schon lange. Man darf gespannt sein, in welcher Form diese Themen dann in praktische Politik umgesetzt werden. Während der Konsensprozess für eine neue Regierung also noch läuft, schaffen Akteure in Sachen Digitalisierung im Gesundheits- wesen schon harte Fakten. „Wir können uns keinen Stillstand leisten“, begründete das etwa Ärztepräsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery kurz nach der Wahl. Er drängt angesichts der vielen Reformbaustellen im Gesundheitswesen zur Eile. Das gelte auch für „durchdachte Digitalisierungsstrategien“, sagte er. Doch: Was ist damit gemeint? Bei der KBV beispielsweise wird man fündig: Sie arbeitet verstärkt an dem Thema. Ganz klar fordert sie eine übergreifende E-Health-Strategie der Politik, auch im Hinblick auf die euro- päische Ebene. Jetzt hat sie in zwei Grund- satzpapieren festgezurrt, was für sie wichtig ist. Das erste Papier widmet sich der Digita- lisierung. Die KBV fordert übergeordnete Strukturen im Gesundheitswesen, um alle Akteure digital zu vernetzen. Dazu gehört eine Interoperabilität der Systeme. Die KBV will auch verbindliche Standards, um einen vernetzten Informationsfluss zu gewähr- leisten. Dazu fordert die KBV gesetzliche Grundlagen, damit die Selbstverwaltung diese Standards auch vorgeben kann. Bei der Einführung der Telematikinfrastruktur (TI) im Gesundheitswesen geht es der KBV vor allem darum, sich für den Mehrwert für die Ärzte einzusetzen und die Bürokratielast so gering wie möglich zu halten. Das zweite Papier dreht sich um die elek- tronische Patientenakte, die die KBV als Ergänzung zu den bereits bestehenden Dokumentationswegen des Arztes sieht. Sie kann aus Sicht der KBV den Austausch aller Beteiligten sehr verbessern. Trotz unter- schiedlicher Anbieter soll es nach Meinung der KBV bundesweit letztlich nur eine Akte geben und der Arzt sollte die Akten aller Anbieter nutzen können. Die KBV macht bei all diesen Themen also weiter Nägel mit Köpfen. Gerade hat sie ein Diskussionsforum zur Ausgestaltung der Digitalisierung und der elektronischen Patientenakte ausgerichtet. Mit den Apothekern ist eine gemeinsame Absichts- erklärung zur Umsetzung einer digitalen Agenda unterzeichnet worden. Doch jetzt einmal weg von den Ärzten und hin zu den Zahnärzten: Auch hier werden in Sachen Digitalisierung Nägel mit Köpfen gemacht. Die Anbindung an die TI-Struktur, wie sie im E-Health-Gesetz vorgesehen ist, geht nach Plan voran. Umfangreiche Infor- mationen an die Praxen über das Wie und Warum sind bereits breit über die KZBV und die KZVen in die Zahnärzteschaft kommuni- ziert worden. Als wichtigen weiteren Schritt der Vorbereitung zum flächendeckenden Online-Rollout Stufe 1 kann die KZBV jetzt einen weiteren Meilenstein zur Vorbereitung des Produktivbetriebs verbuchen. Für den ersten der insgesamt fünf Gesundheits- sektoren, nämlich für die Zahnärzte, ist die Bundesdruckerei als Anbieter für den elektronischen Praxisausweis zur Anbindung an die TI von der KZBV zugelassen worden (siehe Bericht Seite 22). Zahnärzte können den Ausweis jetzt beantragen. Über das Thema Digitalisierung (als eines der Kernthemen für die neue Legislatur- periode) wird in der KZBV derzeit intensiv beraten. Vor allem geht es der KZBV darum, die Chancen zu nutzen, die Risiken zu minimieren, die Bürokratielast für die Zahnärzte so gering wie möglich zu halten, die Versorgung zu stärken und dem Patienten zu dienen. Und was steht in Sachen Digitalisierung auf der To-do-Liste der Politik? Das wird – so hat es das Bundesgesundheitsministerium bereits angekündigt – ein zweiter Teil des E-Health-Gesetzes sein, bei dem es auch um die Umsetzung der elektronischen Patientenakte geht. Und der Wunsch vieler Ärzte und Zahnärzte, ein flächendeckendes, schnelles und leistungsfähiges Internet aus- zubauen, sollte ebenfalls Gehör finden. Denn nur so ist eine funktionierende telematische Infrastruktur auch möglich. Foto: zm-Axentis.de Bloß kein Stillstand Gabriele Prchala Stellvertretende Chefredakteurin 3 Editorial

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