Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 20

zm 107, Nr. 20, 16.10.2017, (2326) Seit dem 1. Oktober 2016 haben Patienten, die mindestens drei auf Kassenrezept ver- ordnete, systemisch wirkende Medikamente einnehmen, Anspruch auf eine schriftliche Übersicht – den Medikationsplan. Uner- wünschte Arzneimittelwirkungen und Me- dikationsfehler (Schätzungen gehen von jährlich bis zu 16.000 dadurch bedingten Todesfällen in Deutschland aus) sollen so reduziert werden. Bisher allerdings gibt es den Medikations- plan nur in Papierform, das heißt, der Arzt ruft den Medikationsplan mit seiner Praxissoftware auf, aktualisiert ihn gege- benenfalls und druckt ihn dann für den Patienten aus. Erst 2019 soll die Anwen- dung auf der Elektronischen Gesundheits- karte (eGK) implementiert werden. Um zu überprüfen, wie der Umgang mit dem Medikationsplan im Praxisalltag verläuft, schickte Stiftung Warentest zehn Test- personen los. Die Tester besuchten jeweils ihren Hausarzt, einen ihrer Fachärzte und eine Apotheke. Ergebnis: Meist erhielten die Patienten nur auf Nachfrage den Medikationsplan. Wenige Ärzte boten von sich aus an, den Plan zu er- stellen oder zu aktualisieren. Die Apotheker brachten selbst auf Nachfrage keinen Plan auf den aktuellen Stand. Beim Hausarzt – nicht vollständig erstellt Die Stichprobe ergab: Fünf Testpersonen besaßen schon einen Medikationsplan, fünf nicht. Keiner der getesteten Hausärzte bot von sich aus an, den Plan zu erstellen. Auf Nachfrage der Testpersonen händigten vier von fünf den Plan aus. Auf den vier aus- gestellten – wie auch auf den fünf bereits vorhandenen – Plänen fehlten jedoch laut Stiftung Warentest oft Angaben, zum Bei- spiel der Grund für die Medikamente. Beim Facharzt – nicht aktiv angeboten Die zehn Fachärzte der Testpersonen ver- schrieben eine weitere Arznei oder ver- änderten die Dosierung, doch nur jeder zweite sprach den Medikationsplan von selbst an. Bei den anderen fünf hakten die Tester nach. Die Reaktion war laut Stiftung Warentest abweisend. Teils verwiesen die Fachärzte wieder an den Hausarzt oder erstellten nur einen Medikationsplan mit den selbst verschriebenen Arzneien, er- gänzten aber nicht den mitgebrachten. Wurden Pläne bearbeitet, geschah dies laut den Testpersonen handschriftlich oder unvollständig. Beim Apotheker – nicht ein Plan aktualisiert Alle zehn Tester kauften rezeptfreie Medi- kamente in je einer Apotheke und baten, den Medikationsplan zu aktualisieren. Darauf reagierten die meisten Apotheker verwundert, schreibt Stiftung Warentest. Kein Apotheker ergänzte den Plan, viele verwiesen an Haus- und Fachärzte. Jedoch prüften fast alle Apotheker die auf dem Plan gelisteten Arzneien auf Wechselwirkungen mit dem zusätzlich gekauften Medikament. Diese Auskunft gab es aber nur mündlich. Des Weiteren bemängelt Stiftung Warentest, dass kein Medikationsplan aus der Stichprobe den Vorgaben entsprach. Angaben wie der Grund für ein verschriebenes Medikament oder Hinweise zur Einnahme fehlten oft. Ebenso der Scannercode, ohne den sich der Plan digital nur aufwendig aktualisieren lässt. Handschriftliche Ergänzungen – wie sie in der Stichprobe mehrfach vorkamen – Medikationsplan im Praxis-Check Es läuft nicht nach Plan Durch den Medikationsplan soll für Patienten auf einen Blick erkennbar sein, wann welche Medikamente einzunehmen sind. Der verschreibende Arzt soll Wechselwirkungen ausschließen können. Doch wie sieht die Theorie im Praxis- alltag aus? Wird der Plan nach jeder neuen Verordnung überhaupt aktualisiert? Stiftung Warentest hat Testpersonen in Praxen geschickt, mit dem Ziel dies zu überprüfen. Der Medikationsplan ist einheitlich aufgebaut. Der Patient soll so auf einen Blick erkennen können, was er wann einnehmen soll. Quelle: KBV 36 Politik

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