Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 12

zm 108, Nr. 12, 16.6.2018, (1362) Aufgrund körperlicher, geistiger, sensorischer, psycho-emotionaler, kognitiver, allgemein- gesundheitlicher und entwicklungsbedingter Beeinträchtigungen haben Kinder und Ju- gendliche mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen besondere Bedürfnisse und einen besonderen Behandlungsbedarf [AAPD, 2016]. In diesem Beitrag stellen wir die jüngsten Studienergebnisse zur Mund- gesundheit von Frühgeborenen sowie von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen, deren Behandlung einen sta- tionären Aufenthalt erfordert, vor. Die Frühgeborenen Die kontinuierliche Verbesserung der neo- natalen medizinischen Betreuung führte auch zu einem Anstieg der Überlebensrate von Frühgeborenen mit einem niedrigen Geburtsgewicht (< 2.500g) [Flood und Ma- lone, 2012]. Ursachen für die Frühgeburt- lichkeit sind aszendierende Infektionen, hypoxisch-ischämische Beeinträchtigungen der utero-plazentaren Einheit sowie Fehlbil- dungen des Uterus und des Fetus [Gravett et al., 2010; Flood und Malone, 2012]. Vorangegangene Frühgeburten, Spätaborte, Mehrlingsschwangerschaften, gesundheits- gefährdende Lebensweisen und ein niedri- ger sozio-ökonomischer Status sind Risiko- faktoren für eine Frühgeburt [Murphy, 2007]. Frühgeburtlichkeit hat durch die Beeinträch- tigung von adaptiven und von Entwicklungs- prozessen unmittelbare und langzeitige Folgen für die Allgemeingesundheit [Ong et al., 2015]. Wachstums- und neurokognitive Entwicklungsverzögerungen zählen neben Störungen der Lungen- und der Herz-Kreis- lauf-Funktion sowie gastrointestinalen und Ernährungsproblemen zu den häufigsten postnatalen Komplikationen [Flood und Malone, 2012]. Geistige und/oder körper- liche Behinderungen können ebenfalls als Spätfolgen der Frühgeburtlichkeit auftreten [Zaidi et al., 2015]. Defizite der Fein- und Grobmotorik können über die gesamte Kindheit persistieren und zu Defiziten der manuellen Geschicklichkeit führen, die die Mundhygienefähigkeit der zu früh geborenen Kinder beeinflussen [Brogardh-Roth, 2011; Rythen, 2012]. Weiterhin erhalten Früh- geborene häufig hochkalorische Zwischen- mahlzeiten, um das niedrige Geburtsgewicht und die Ernährungsprobleme zu kompen- sieren [Ferrini et al., 2008]. Die hohe Fre- Kariesrisikogruppen bei Kindern Frühchen und psychisch kranke Kinder sind unterversorgt Roswitha Heinrich-Weltzien, Ina M. Schüler Mit dem Kariesrückgang im bleibenden Gebiss von Kindern und Jugendlichen rückten vor allem benachteiligte Gruppen der Heranwachsenden in den Fokus der zahnärztlichen Versorgung: Ihre Mundgesundheit muss noch besser werden. Zwei Studien aus Jena untersuchten den Behandlungsbedarf einmal von Früh- geborenen und einmal von Kindern mit psychischen Erkrankungen. Foto: Dr. I. M. Schüler Nach Definition der Weltgesundheits- organisation (WHO) ist jedes Kind, das vor der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) geboren wird, ein Frühgebore- nes [Kramer, 1987]. Weltweit werden jährlich 15 Millionen Kinder zu früh geboren, von denen mehr als eine Million an den Folgen der Frühgeburt- lichkeit sterben [Chang et al., 2013]. In Deutschland ist die Frühgeborenen- rate mit 8,7 Prozent auf einem kon- stanten Niveau, wobei sich der Anteil der extremen Frühgeburten (< 28. SSW) von 2001 bis 2010 um 65 Prozent er- höht hat [Schleußner, 2013]. Frühgeborene D EFINITION 50 Zahnmedizin

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