Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 14

zm 108, Nr. 14, 16.7.2018, (1637) übung), die einerseits Synergien und Skalen- effekte erschließen, Abläufe vereinfachen und von Bürokratieaufwänden entlasten und andererseits den Vorrang zahnärztlicher Be- handlung vor ökonomischen Zwängen sichern sollen. Genossenschaften könnten auch die Bedürfnisse junger Zahnärzte nach Arbeits- teilung und Flexibilität aufgreifen. Solche Lösungen seien im bestehenden gesetzlichen Rahmen möglich und wären eine aktive Antwort des Berufsstands auf die Herausfor- derungen durch die MVZ, so Schrader. Als externen Experten hatte der Vorstand Ulrich Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, ein- geladen. Sommer hatte im Frühjahr mit sei- nen Äußerungen zu ihm unterstellten apo- Bank-eigenen „Franchise-Praxen“ Aufsehen erregt. Sommer zeichnete ein positives Bild der Einzelpraxis: 42 Prozent aller Einzel- praxen erwirtschafteten einen Gewinn von 100.000 bis 200.000 Euro, 32 Prozent sogar 200.000 bis 300.000 Euro. Damit erzielten drei Viertel aller Einzelpraxen ein sehr gutes Ergebnis. Nur zwei von 1.000 Praxen scheitern, berichtete Sommer. Die aktuelle Situation sei aber von einem verstärkten Trend zur Anstellung gekennzeichnet – der Einfluss der wachsenden „Generation Y“ mache sich bemerkbar und führe zu einem Wertewandel hin zur Work-Life-Balance und der Vereinbar- keit von Familie und Beruf. Finanzielle Be- denken, die Arbeitsbelastung und die Büro- kratie seien ebenfalls Hürden für die Selbst- ständigkeit. Hinzu komme die durch das GKV- VSG gebotene Möglichkeit der Gründung arztgruppengleicher MVZ mit einer gegen- über den anderen Praxisformen nicht mehr begrenzten Zahl angestellter Zahnärzte. Das wirke als Türöffner für die Bildung größerer Versorgungseinheiten und damit für eine „Industrialisierung“ der Zahnmedizin. Das Marktumfeld könne künftig ganz wesentlich von Finanzinvestoren bestimmt werden. Erste Aktivitäten seien bereits zu sehen. Das apoBank-Konzept der „Fahrschulpraxis“ im Sinne einer Praxis zur Miete könne einer solchen Entwicklung entgegenwirken und die Einzelpraxis stärken. Ziel der Bank sei es nicht, Praxen dauerhaft selbst zu betreiben, sondern sie nach einer gewissen Zeit an interessierte angestellte Zahnärzte zu ver- kaufen. Junge Zahnärzte könnten so geför- dert und langsam an die Niederlassung herangeführt werden. Die Sicht des BMG Mit Spannung wurde der Vortrag von Dr. Ulrich Orlowski, Abteilungsleiter im Bundes- gesundheitsministerium (BMG), erwartet. Das GKV-VSG – so viel war klar – hat mit der Zulassung arztgruppengleicher MVZ seinen angepeilten Zweck, die Versorgung in der Fläche zu sichern, deutlich verfehlt. Die Frage war nun, ob angesichts dessen und des Engagements von Finanzinvestoren im BMG ein Umdenken einsetzen würde. Orlowski gab deutlich zu erkennen, dass das nicht der Fall sei. Am Trend hin zu größeren Versorgungseinheiten mochte er keine gra- vierenden Nachteile erkennen. MVZ seien Mitbewerber „zu günstigeren Konditionen“. Darüber könnten größere Einheiten auch „bessere Qualität“ anbieten. Im Übrigen sei es Aufgabe der KZVen, die Qualität der Ver- sorgung sicherzustellen – eine vom Berufs- stand unterstellte schlechtere Qualität sei daher kein Argument gegen das MVZ. Deutlich kritischer gegenüber dem wach- senden Einfluss von MVZ und Finanz- investoren äußerte sich Dietrich Monstadt, Berichterstatter für die Zahnmedizin der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag und Mitglied des Gesundheitsausschusses. Er sehe nicht, wie mit renditegetriebenen Geschäftsmodellen die Zahngesundheit beispielsweise von Kindern und Senioren adäquat sichergestellt werden könne. Hier stünden auch Fragen der sozialen Gerechtig- keit im Raum. Er sehe durchaus die Probleme, die die Zahnärzteschaft im Zusammenhang mit MVZ an die Politik adressiere und ver- sprach, dies in den gesundheitspolitischen Diskussionen zur Sprache zu bringen. Das Gesetz ist das Einfallstor Am zweiten Tag der Klausurtagung fand eine Aussprache zu den gehörten Vorträgen statt. In der Bewertung war man sich weitest- gehend einig: Die MVZ seien ein weiterer Schritt in Richtung Ökonomisierung und Vergewerblichung in der zahnmedizinischen Versorgung. Insbesondere für die Kapital- investoren stehe nicht die Versorgung von Patienten, sondern eine hohe Renditeerwar- tung im Fokus ihrer Aktivitäten. Das berge letztlich die Gefahr von Qualitätsverlusten und gefährde die Versorgungssicherheit. Die Einführung arztgruppengleicher MVZ mit dem GKV-VSG habe diese Entwicklungen angestoßen und bilde nun das Einfallstor für Finanzinvestoren. Das MVZ sei zu einem „Angriff auf die Versorgungsstruktur“ ge- worden, wie es Moderator Peter Knüpper zusammenfasste. Was durch die Politik an Fehlentwicklungen ausgelöst worden sei – so der Tenor der Klausurtagung –, müsse von ihr auch wieder repariert werden. Dafür werde man sich seitens der Standespolitik einsetzen. br \ Oktober 2017 : EQT erwirbt den pan- europäischen Zahnversorgungsanbieter Curaeos von Bencis Capital Partners und kündigt unter anderem in Deutschland eine Buy-and-Build-Strategie an. \ Februar 2018: Nordic Capital über- nimmt vom Investor Auctus die Flem- ming Dentallabore sowie das „Zahnstati- on“-MVZ, eine Gruppe von sechs Z-MVZ rund um Köln. \ Mai 2018: Investcorp kauft die Privatzahn- arztklinik Schloss Schellenstein, ein Zen- trum für Implantologie und Oralchirur- gie, als Initialinvestment. Diese soll Aus- gangspunkt für eine breit angelegte Buy-and-Build-Strategie im hochfrag- mentierten deutschen Markt werden. \ Mai 2018 : Altor Funds kaufen das Kran- kenhaus Maria-Hilf Warstein als Einstiegs- vehikel und launchen eine Dentalkette mit dem Namen KonfiDents. Zwei zahn- ärztliche MVZ wurden bereits erworben, weitere sollen schnellstmöglich folgen. Sie spezialisieren sich zudem auf die Akquise von „Koryphäen“ in zahnmedizi- nischen Subdisziplinen als Patienten- magneten. Quelle: apoBank Transaktionen im Dentalmarkt 37 Politik

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