Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 22

zm 108, Nr. 22, 16.11.2018, (2665) Ein 58-jähriger Patient stellte sich nach Überweisung vom Hauszahnarzt mit Ver- dacht auf einen submandibulären Abszess rechts im Notdienst unserer Poliklinik vor. Anamnese: Anamnestisch berichtete er von einer seit einer Woche bestehenden, schmerzhaften Schwellung submandibulär rechts ohne Größenprogredienz. Die all- gemeine Anamnese ergab eine Neurofibro- matose Typ I (M. Recklinghausen). Klinische Untersuchung und Diagnose: Bei der klinischen Untersuchung zeigten sich eine druckschmerzhafte Schwellung sub- mandibulär rechts mit einer Ausdehnung von 4 cm x 4 cm ohne Rötung, Pulsation oder palpierbare Fluktuation. Die Haut des Gesichts und des Halses zeigte multiple Narben bei Zustand nach Resektion von Neurofibromen (Abbildung 1). Bei uneingeschränkter Kieferöffnung (Schneidekantendistanz: 40mm) zeigte sich intraoral eine regelgerechte Schleimhaut ohne Schwellung oder Rötung. Die Zähne 14 und 46 fehlten, der Zahn 24 war wurzel- kanalbehandelt. Der Zahn 18 war vollständig retiniert, der Zahn 38 vollständig retiniert und verlagert. Die vorhandenen Zähne waren nicht gelockert, zeigten bis auf den Zahn 24 eine erhaltene Sensibilität auf Kälte und waren nicht perkussionsempfindlich. Die am Vortag durch den behandelnden Zahnarzt durchgeführte Panoramaschicht- aufnahme ergab keinen Hinweis auf einen dentogenen intraossären Entzündungspro- zess (Abbildung 2). Die durchgeführten laborchemischen Unter- suchungen zeigten eine Erhöhung des C-reaktiven Proteins auf 6,6 mg/dl sowie am Vorstellungstag eine normwertige Leukozyten- zahl. Zur weiteren Diagnostik erfolgte eine Computertomografie des Kopf- und Hals- bereichs mit Kontrastmittel. Hierbei zeigte sich eine Thrombosierung der V. jugularis interna rechts (Abbildung 3). Therapie: Aufgrund des initialen klinischen Abszessverdachts sowie der erhöhten labor- chemischen Entzündungsparameter wurde eine intravenöse antibiotische Therapie mit Unacid 3g / dreimal täglich begonnen. Es erfolgte eine konsiliarische Vorstellung bei den Kollegen der Angiologie. Die durchge- führte Farbduplexsonografie zeigte eine nicht-frische Thrombose im gesamten Ver- lauf der rechtsseitigen V. facialis, V. retro- mandibularis sowie der V. jugularis interna (Abbildung 4). Eine Genese im Rahmen der vorbekannten Neurofibromatose wurde diskutiert. Die durchgeführte transthorakale Echokardiografie zeigte keine pathologischen Befunde. MKG-Chirurgie Thrombose als Differenzialdiagnose eines Abszesses Jakob Ihbe, Matthias Tröltzsch, Sigurd Hafner, Michael Ehrenfeld Der Patient kam eigentlich wegen einer Schwellung und des Verdachts auf einen Abszess in die MKG-Chirurgie. Bei der umfangreichen Diagnostik zeigte sich dann eine seltene, nicht odontogene, angiologische Ursache. Abbildung 1: Foto frontal und Profil, submandibuläre Schwellung rechts (roter Pfeil) Foto: G. Poetzel und R. Herzig, MKG LMU 101 Zahnmedizin

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