Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 01-02

zm 109, Nr. 1, 16.1.2019, (28) In der Schweiz beginnt der Aufstieg der Dentalketten kurz nach der Jahrtausend- wende mit einem Bündel aus sieben Ver- trägen mit den Staaten der Europäischen Union. In diesen „Bilateralen Verträgen I“ war neben diversen Ausarbeitungen zur wissenschaftlich-technischen Zusammen- arbeit, zum Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, zum Land- und Luftverkehr auch ein Abkommen zur „schrittweisen Einführung der Personenfreizügigkeit“ ent- halten. Das Abkommen erlaubt jedem Bür- ger aus der Schweiz und der EU, Wohnsitz und Arbeitsplatz innerhalb der Territorien der Vertragspartner frei zu wählen. 2005 wurde das Abkommen auf die 2004 der EU beigetretenen acht osteuropäischen Länder, 2009 auf Rumänien und Bulgarien ausgedehnt. Tausende Zahnärzte strömen in die Schweiz Dieses Personenfreizügigkeitsabkommen führte zu einer massiven Zuwanderung von Zahnärzten aus dem EU-Raum. Von Juni 2002 bis Ende 2014 ließen 4.222 EU-Zahn- ärzte ihre Diplome in der Schweiz aner- kennen – heute dürfte deren Zahl die Zahl der 4.800 Schweizer Zahnärzte deutlich überschritten haben. Knapp drei Viertel der Zahnärzte kamen aus Deutschland, Frankreich und Italien. Auf den Plätzen vier bis zehn der Herkunftsländer stehen Zahn- ärzte aus Rumänien, Schweden, Griechenland, Ungarn, Portugal, Belgien und den Staaten des ehemaligen Jugoslawien. Die Zuwanderung erfolgte zum großen Teil in die städtischen Ballungsgebiete und befeuerte dort die Konkurrenz. Im Zuge dieser Entwicklung entstanden in den Städten die ersten überregionalen Dentalketten. Die ersten Dentalketten entstehen in den Städten Die 2003 gegründete Dentalkette zahnarzt zentrum.ch ist heute Marktführer, sie be- treibt Praxen an 33 Standorten mit nach eigenen Angaben „über 300 Zahnärzten und Spezialisten für Kieferorthopädie, Im- plantate und Dentalhygiene“. Im gleichen Jahr starteten die „Glamour“-Zahnärztinnen Haleh und Golnar Abivardi ihre Dentalkette swiss smile mit der Eröffnung des ersten „swiss smile Kompetenzzentrums an pro- minenter Lage im Zürcher Hauptbahnhof“, wie es in der Firmeninformation heißt. swiss smile hat heute 16 Standorte – die Kette wurde 2017 von der Jacobs Holding über- nommen. Als dritte große Dentalkette ist die Adent Cliniques Dentaires-Gruppe mit 22 Zahnarztzentren und rund 400 Mit- arbeitern im Schweizer Markt vertreten. Adent wurde mehrfach von Investment- gesellschaften ge- und verkauft: Im August 2014 kaufte die britische Hesira Group Adent von der Beteiligungsgesellschaft Swiss Equity Capital Partners. 2018 übernahm dann die Investmentgesellschaft Nordic Capital die Dentalkette in ihr Portfolio. Die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft (Società svizzera odontoiatri – SSO) als Schweiz Konstant ist nur der Eigentümerwechsel In der Schweiz sind seit gut einem Jahrzehnt eine Reihe von Dentalketten vor allem in städtischen Ballungsräumen aktiv. Die Ketten sorgen für öffentliche Diskussionen. Beanstandet werden Qualitätsmängel, eine geringere Patienten- zufriedenheit und „Überversorgung“ – nur zu gern werden den Patienten teure Behandlungen aufgeschwatzt. Überversorgung und mangelhafte Behandlungsqualität werden in der Schweiz in der öffentlichen Debatte überwiegend mit ausländischen Zahnärzten und Dentalketten in Verbindung gebracht. Illustrationen: adobestock - Felix Pergande, jpgon 30 Dentalketten in Europa

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