Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 03

zm 109, Nr. 3, 1.2.2019, (179) Einschlusskriterien erfüllenden Studien nicht möglich ist. Die zusätzliche Anwendung der chemisch antimikrobiellen Wirkstoffe „Aminfluorid/ Zinnfluorid“ und „Cetylpyridiniumchlorid“ kann als Ergänzung zur mechanischen Rei- nigung zu einer Reduktion der Gingivitis ebenfalls empfohlen werden, hier zeigte sich ein moderater Evidenzgrad. Auch hier ist eine Aussage zu spezifischen Formulierun- gen beziehungsweise Konzentrationen auf Basis der die Einschlusskriterien erfüllenden Studien nicht möglich [Haas et al., 2016; Haps et al., 2008; James et al., 2017; Serrano et al., 2015; Van Leeuwen et al., 2014]. 4. Wie sollten Mundspüllösungen im Alltag Anwendung finden? In Situationen, bei denen kurzfristig (etwa zwei bis vier Wochen) eine hohe Keimzahl- reduktion als alleinige Maßnahme notwen- dig ist, wenn ein mechanisches Biofilm- management nicht möglich oder indiziert ist, sollten antimikrobielle Mundspüllösun- gen angewendet werden. Hier sollte auf chlorhexidinhaltige Spüllösungen ≥ 0,1 Pro- zent zurückgegriffen werden (Abbildung 3) [Arweiler et al., 2018; Haas et al., 2016; Haps et al., 2008; James et al., 2017; Serrano et al., 2015; Van Leeuwen et al., 2014]. Abgesehen von der kurzfristigen Situation kann bei folgenden Risikogruppen die Anwendung antimikrobieller Mundspül- lösungen als Ergänzung ihrer täglichen mechanischen Mundhygiene-Maßnahmen zur Prävention der Gingivitis erfolgen: \ Patienten mit besonderem Unterstüt- zungsbedarf und eingeschränkter Alltags- kompetenz (zum Beispiel Pflegebedürftige) (Abbildung 4a) \ Patienten mit körperlichen oder mit geis- tigen Einschränkungen, die kein effektives mechanisches Biofilmmanagement erreichen können \ unter besonderer Medikation stehende Patienten (zum Beispiel bei/nach Chemo- therapie und/oder Bestrahlung) \ Patienten mit mechanisch so schwer zu- gänglichen Bereichen, dass kein effektives mechanisches Biofilmmanagement möglich ist (Abbildung 4b). Hier können Formulierungen mit Amin- fluorid/Zinnfluorid, ätherischen Ölen, Cetyl- pyridiniumchlorid, Chlorhexidin <0,1 Pro- zent empfohlen werden. Je nach individueller Situation kann eine lokale Applikation der Mundspüllösung (zum Beispiel mit Inter- dentalbürste) in Erwägung gezogen werden [Storhaug, 1977; Arweiler et al., 2018]. Fazit Die Leitlinie verdeutlicht, dass in bestimm- ten Situationen der Einsatz von häuslichem chemischem Biofilmmanagement zur Prä- vention und Therapie der Gingivitis sinnvoll und indiziert ist. Nebenwirkungen bei der Anwendung, Kontraindikationen, Kosten sowie Zulassungsbestimmungen und Um- weltfaktoren sollen bei der Wahl des Wirk- stoffs und des Produkts berücksichtigt werden. Prof. Dr. Thorsten Auschill, MBA Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Abtei- lung für Parodontologie Georg-Voigt-Str. 3 35039 Marburg auschill@med.uni-marburg.de Dr. Sonja Sälzer Klinik für Zahnerhal- tungskunde und Parodontologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Arnold-Heller-Str. 3 24105 Kiel Prof. Dr. med. dent. Nicole B. Arweiler Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Abtei- lung für Parodontologie Georg-Voigt-Str. 3 35039 Marburg Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden. Abbildungen 4a und 4b: Indiziert sind antibakterielle Mundspüllösungen als langfristige zusätzliche Maßnahme, wenn ein mechanisches Biofilm- management nur unzureichend durchgeführt werden kann. Alle Porträts: privat 53

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=