Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 06

zm 109, Nr. 6, 16.3.2019, (586) Ein elfjähriger Patient wurde durch seinen Hauszahnarzt bei Verdacht auf das Vorliegen eines Ameloblastoms an die Abteilung für Mund-, Kiefer, und plastische Gesichts- chirurgie der Universität Mainz überwiesen. Zuvor war aufgrund einer indolenten, lang- sam zunehmenden Schwellung im rechten Unterkiefer eine Panoramaschichtaufnahme angefertigt worden. Klinisch zeigte sich eine nicht verschiebliche, harte und reizlose Schwellung mit erhalten- der Vitalität distal des Zahns 46 und noch re- tinierten weiter posterior gelegenen Zähnen (Abbildung 1). Zur weiterführenden radio- logischen Analyse wurde anschließend eine 3-D-Aufnahme (Digitale Volumentomogra- fie, DVT) des Unterkiefers durchgeführt, auf der zu sehen war, dass sich die Zähne 47 und 48 in einer knöchern begrenzten, trans- luzenten, homogenen Höhle befanden (Ab- bildung 2). Unter der Verdachtsdiagnose einer follikulä- ren Zyste wurde der Patient der operativen Therapie unter Intubationsnarkose zuge- führt. Nach marginaler Schnittführung und distaler Entlastung entlang des aufsteigen- den Astes des rechten Unterkiefers erfolgte die Anlage eines Knochendeckels mittels Piezochirurgie (Abbildung 3). Die Zyste wurde zusammen mit den retinierten Zäh- nen in toto exstirpiert (Abbildung 4) und zur histopathologischen Diagnostik versandt. Der Nervus alveolaris inferior am Boden der entstandenen Kavität (Abbildung 5) wurde vorher vorsichtig vom Zystenbalg entfernt. Anschließend wurde der Defekt mit Kolla- gen und autologem Knochen aufgefüllt. In der histopathologischen Aufbereitung zeigte sich ein durch flaches, mehrschichtiges Epithel ausgekleidetes fibrotisches Binde- gewebe. Die Zystenwandung war fokal verdickt sowie äußerst zellreich mit mono- morphen, unreif wirkenden Zellkernen. Die immunhistochemischen Analysen beschrie- ben eine zytoplasmatisch positive Färbe- reaktion auf CK-MNF und CK-Oscar. Der Proliferationsindex mit Ki-67 wies zwei bis fünf Prozent nukleär positive Zellen auf. Bei Chromogranin, S100 und Synaptophysin fand keine positive Färbereaktion statt. Somit konnte die Diagnose eines adenoma- toiden odontogenen Tumors getroffen wer- den. Bei postoperativ komplikationslosem Heilungsverlauf konnte der Patient nach einem dreitägigen stationären Aufenthalt in die ambulante Weiterbetreuung entlassen werden. Zur weiteren Verlaufskontrolle wurde ein halbjährliches Nachuntersuchungsinter- vall vereinbart. Diskussion Mit einem Anteil von zwei bis sieben Pro- zent aller odontogenen Tumore stellt der adenomatoide odontogene Tumor (AOT) die vierthäufigste dieser Entitäten dar [Thakur et al., 2016; Philipsen und Reichart, 1999]. Als seltener benigner Tumor [Bilodeau und Collins, 2017] tritt er gehäuft innerhalb des zweiten Lebensjahrzehnts (im Mittel = Der besondere Fall mit CME Adenomatoider odontogener Tumor im UK Payam Hosseinkhah, Diana Heimes, Peer W. Kämmerer Die Differenzialdiagnostik zystischer Läsionen im Kieferknochen stellt eine Herausforderung dar. Als Zufallsbefund entdeckte Raumforderungen lassen sich häufig radiologisch nicht von potenziell malignen Ursachen abgrenzen. Dieser Fall demonstriert die Schwierigkeit der radiologischen Diagnostik. Kliniker präsentieren Fälle mit hohem diagnostischem Schwierigkeitsgrad. Alle Fotos: P. Kämmerer 36 Zahnmedizin

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