Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 11

zm 109, Nr. 11, 1.6.2019, (1287) Das hat zur Folge, dass bei Elefanten die Kaufläche immer mal wieder größer ist – nämlich dann, wenn gerade zwei Zähne gleichzeitig während des Zahnwechsels im Kiefer sind – und dann wieder kleiner, wenn sich gerade nur ein Zahn dort befindet. Dementsprechend ist es für die Tiere in manchen Lebensabschnitten leichter oder schwieriger, beim Essen genügend Pflanzen- material für den Erhalt oder die Zunahme ihres Gewichts zu zerkleinern. Forscher der Vetsuisse-Fakultät der Univer- sität Zürich haben nun bei Zoo-Elefanten Gewichtsschwankungen beobachtet, die sich durch diese Zahnwechsel erklären las- sen. „Eigentlich wollten wir herausfinden, ob Zoo-Elefanten, die sich fortpflanzen, schlanker sind als solche, die keine Nach- kommen produzieren“, berichtet Prof. Dr. Marcus Clauss von der Zürcher Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere. Dazu besuchte der Doktorand Christian Schiffmann fast alle Zoologischen Gärten und Tierparks in Europa und notierte die Gewichte der Dickhäuter. Dabei fiel ein Muster auf: Die Tiere nehmen zunächst vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter stetig zu, um dann in ihrem Körpergewicht in langen Zyklen von etwa hundert Monaten um 300 Kilogramm zu fluktuieren. „Zuerst dachten wir, es könnte etwas mit den Jahreszeiten oder der Fortpflanzung selbst zu tun haben“, erklärt Schiffmann. „Aber der Zyklus ist deutlich länger als ein Jahr, und wir fanden das Muster in Gruppen sowohl mit als auch ohne Fortpflanzung. Da bleibt als einzige plausible Erklärung nur der ungewöhnliche Zahnwechsel der Elefanten übrig.“ Das Phänomen tritt nicht in freier Wildbahn auf Im natürlichen Lebensraum gibt es dieses Phänomen übrigens nicht: Da Elefanten das ganze Jahr über Junge bekommen, aber saisonalen Schwankungen im Nah- rungsangebot ausgesetzt sind, haben Tiere der verschiedensten Altersstufen und ab- hängig von jeweiligen Zustand der Zähne Zugang zu unterschiedlicher Nahrungs- qualität. Das Gewicht der Elefanten wird deshalb nicht nur durch den Zahnwechsel, sondern auch durch andere Faktoren beein- flusst. Nur in Zoos, wo die Fütterung ver- gleichsweise einheitlich ist, kann das Muster deutlich zutage treten. Für Clauss ist diese Studie deshalb ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie Untersuchungen an Zootieren neue biologische Erkenntnisse liefern kön- nen, die durch Beobachtungen in freier Wildbahn nicht möglich gewesen wären. mth/pm Schiffmann C, Hatt J-M, Hoby S, Codron D, Clauss M.: Elephant body mass cyclicity suggests effect of molar progression on chewing efficiency. Mammalian Biology (in press), 9 January 2019. Doi: 10.1016/j.mambio.2018.12.004 Bei Elefanten ist die Kaufläche aufgrund des mehrfachen Zahnwechsels mal größer, mal kleiner, entsprechend können sie die Nahrung mal besser und mal schlechter verarbeiten. Foto: Christian Schiffmann Illustration: Elefanten haben auf jeder Seite einen einzigen Zahn im Kiefer, der vom nächs- ten größeren Zahn langsam nach vorne ge- schoben wird, wo er stückweise abbricht. Illustration: UZH 97

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