Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 22

zm 109, Nr. 22, 16.11.2019, (2564) Schon vor etwa zehn Jahren haben epidemiologische Studien Parodontitis mit Adipositas in Zusammenhang gebracht [Chaffee und Weston, 2010; Suvan et al., 2011]. In der Folgezeit versuchte man, kon- krete Wirkmechanismen zu identifizieren. So wurden adipöse Versuchstiere mit Paro- dontitis-Bakterien infiziert und die Zerstö- rung von Alveolarknochen untersucht. Da- bei zeigte sich, dass der Verlust an Alveolar- knochen bei den adipösen Tieren größer war als bei den Normalgewichtigen [Amar et al., 2007]. Wie wirkt die Ernährung auf entzündliche Prozesse? In einer Studie der Columbia Universität, New York, hatten Forscher den parodonta- len Knochenverlust an adipösen Mäusen untersucht, die mit unterschiedlichen hoch- kalorischen Diäten ernährt und nach zehn Wochen mit Porphyromonas gingivalis infiziert wurden [Muluke et al., 2016]. Es handelte sich dabei einmal um eine mit Palmitinsäure angereicherte, fettreiche Er- nährung und einmal um eine fettreiche, auf Ölsäure basierende, mediterrane Diät, die die zweite Gruppe erhielt. Die dritte Gruppe bekam als Kontrolle eine normal-kalorische Ernährung. In der aktuellen Jenaer Studie nun ging es darum, wie sich unterschiedliche Ernährungs- weisen auf systemische entzündliche Pro- zesse und den Knochenstoffwechsel bei einer modellhaft ausgelösten Parodontitis an normalgewichtigen Mäusen auswirken. Studiendesign Wie schon in der amerikanischen Studie von Muluke et al. wurden die Versuchstiere randomisiert auf drei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt eine mit Palmitinsäure angereicherte westliche Ernährung, die zweite eine ölsäurehaltige, mediterrane Diät und die dritte Gruppe eine kohlen- hydratreiche Kost. Die drei Diäten waren isokalorisch, die Versuchstiere im Unter- schied zur amerikanischen Studie alle nor- malgewichtig. Über fünf Wochen lang infizierten die For- scher die Mäuse mit Porphyromonas gingi- valis. Nach Ablauf von 16 Wochen Studien- dauer untersuchten sie im Blutserum der Tiere Entzündungsparameter und Knochen- remodellierungsmarker. Zudem ermittelten Parodontitisforschung Westliche Ernährung fördert Knochenverlust bei Parodontitis Kerstin Albrecht Im Fokus der Parodontitisforschung stehen immer wieder systemische Faktoren – zum Beispiel das Übergewicht. Hier verdichten sich die Hinweise, dass nicht die Adipositas an sich, sondern eher die Art der Fettsäuren in der Ernährung über das Ausmaß der Parodontitis entscheidet. Forscher der Universität Jena knüpften an Arbeiten amerikanischer Wissenschaftler an und stellten jetzt auf der Jahres- tagung der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie e. V. (DG PARO) eine Studie zum Einfluss der Ernährung auf Entzündungsprozesse und den Knochen- stoffwechsel bei Parodontitis vor. Foto: AdobeStock_Vasiliy 82 Zahnmedizin

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