Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 08

zm 110, Nr. 8, 16.4.2020, (788) INTERVIEW MIT PROF. DR. RAINER JORDAN So lotsen Sie Ihre Patienten sicher durch die Behandlung! Das IDZ hat ein aktuelles Handout mit Standard- vorgehensweisen für Zahnarztpraxen erarbeitet, um sie während der Corona-Pandemie im Umgang mit ihren Patienten zu unterstützen. Was ist das Besondere für den Zahnarzt daran? Prof. Rainer Jordan : Für viele Patienten ist der Hauszahn- arzt der erste Ansprechpartner, wenn es darum geht, jetzt in Erfahrung zu bringen, wie sie aktuell zahnärztlich behandelt werden können. Das beginnt bereits am Telefon oder an der Rezeption. Wir haben das Handout daher für das gesamte Praxisteam entwickelt, damit alle wissen, wie Patienten in dieser Zeit sicher durch die zahnärztliche Behandlung gelotst werden können; egal, ob es sich um Patienten mit einer Coronavirus-Infektion handelt oder nicht. Was genau wollen Sie mit dem Handout erreichen? Das Handout soll das Praxisteam bei einem sicheren Umgang mit seinen Patienten in der Praxis unterstützen. Viele Kolleginnen und Kollegen sind verunsichert und wissen nicht genau, unter welchen Schutzvorkehrungen sie welche Patienten behandeln sollen. Das Handout ist nach den höchsten Infektionsschutzempfehlungen entwickelt worden und soll so sicherstellen, dass Kontaminationen in der Praxis oder gar beim Team vermieden werden. Und wie kann der Zahnarzt es ganz praktisch einsetzen? Das Handout sieht auf den ersten Blick komplex aus. Es sollte daher im Team gemeinsam durchgesprochen werden. Schnell wird jedoch klar, dass es im Grunde um zwei Wei- chenstellungen geht: Herauszufinden, (1) ob eine unverzüg- liche Behandlung erforderlich ist und (2) ob es sich um einen Corona-Risikopatienten handelt. Daraus ergibt sich dann der Behandlungspfad. Dazu gibt es einen kleinen Anamnesebogen und Flussdiagramme als Schreibtischunter- lage. Fünf Standardvorgehensweisen erklären dann detaillierter, wie man vorgehen kann. Wenn das System einmal eingespielt ist, wird es reichen, die Standard- vorgehensweisen lediglich bei Bedarf zum Nachschlagen zu verwenden. Warum ist es sinnvoll, dass Praxen in diesen Krisenzeiten im Umgang mit ihren Patienten standardisiert vorgehen? Standardisierung hilft dabei, Fehler zu vermeiden und die Handlungssicherheit zu erhöhen. Uns erreichen ganz viele verunsicherte Nachfragen, wie man Patienten derzeit behandeln soll. Es gibt auch den nicht-zahnärztlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Sicherheit im Umgang mit Patientenanfragen. Welche Quellen und Erfahrungen liegen dem Handout zugrunde? Wir haben uns bei der Entwicklung des Handouts streng an die aktuellen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts gehalten und sie an die speziellen Bedürfnisse der zahn- medizinischen Versorgung angepasst. Und natürlich sind auch die bisherigen Ausarbeitungen zum Thema der Bun- deszahnärztekammer und Kassenzahnärztlichen Bundes- vereinigung in unser System integriert. Was ist, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben – ist ein Update geplant? Der Erkenntnisstand während der Corona-Pandemie erweitert sich fast täglich – und damit ändern sich mitunter auch die Infektionsschutz-Empfehlungen. Wir beobachten die Ent- wicklungen ständig und betrachten das Handout als „leben- diges Dokument“. Es wird dauerhaft auf den aktuellen Stand gebracht. Daher lohnt es sich, regelmäßig auf unserer Homepage nach einem Update Ausschau zu halten. Mir liegt noch etwas sehr am Herzen: Das Handout ist gedacht für die Anwendung in der Praxis. Wir freuen uns daher über Kritik und Anregungen aus der Praxis, um das Handout weiter zu verbessern. \ Die Fragen stellte Gabriele Prchala. PROF. DR. A. RAINER JORDAN ... ist Wissenschaftlicher Direktor des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) in Köln. Foto: Thomas Eisenkrätzer 26 | POLITIK

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