Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 08

zm 110, Nr. 8, 16.4.2020, (814) KRONEN-WURZEL-FRAKTUREN Zahnerhalt durch orthodontische Extrusion Achim König, Anne-Katrin König, Jennifer Antritter Bei komplizierten Kronen-Wurzel-Frakturen steht als Therapieoption neben der chirurgischen Kronenverlängerung die forcierte kieferorthopädische Extrusion zur Verfügung. Eine Extrusion ist zwar die zeit- und aufwandsintensivere Behandlungsoption, bietet aber durch Schonung des umliegenden Knochens auch ästhetische Vorteile. Das Vorgehen mit einer forcierten orthodontischen Extrusion wird im folgenden Fallbericht am Beispiel zweier OK-Prämolaren geschildert. T raumatische Verletzungen der Zähne, zu denen auch die hier beschriebenen komplizierten Kronen-Wurzel-Frakturen gehören, zählen regelmäßig zu den Ursachen für zahnärztliche Schmerzbehandlungen [Oztan et al., 2001], wobei Kronen- frakturen die häufigste Verletzung der bleibenden Dentition darstellen [Andreasen et al., 2007]. Liegt die Frak- turlinie weit subgingival oder sogar infracrestal, so bestehen zum Erhalt des Zahnes unter Wiederherstellung der biologischen Breite im Grunde zwei Behandlungsoptionen: die klassische chirurgische Kronenverlängerung oder die Extrusion des Wurzelfragments [Zyskind et al., 1992; Krastl et al., 2011]. Während die chirurgische Kronen- verlängerung einen relativ einfachen Eingriff darstellt, der im Praxisalltag weit verbreitet ist, bietet die kiefer- orthopädische Extrusion eine Alterna- tive mit vielen Vorteilen. Dies gilt vor allem hinsichtlich des ästhetischen Ergebnisses, das durch den Erhalt des umliegenden Knochens und somit auch der Papillen-Ästhetik meist besser ausfällt als nach chirurgischer Kronen- verlängerung [Johnson et al., 1986; Assif et al., 1991; Proffit et al., 2000; Smidt et al., 2005]. Die möglichen Einsatzbereiche der for- cierten Extrusion sind vielfältig. Zu deren Anwendungsgebieten zählen neben Wurzelquerfrakturen [Heithersay et al., 1973] und impaktierten Zähnen [Becker et al., 1975] auch externe und interne Resorptionsprozesse sowie iatrogene Perforationen bis zu 4mm subcrestal [Simon et al., 1984]. Zwar finden sich in der Literatur vor allem Foto: Zahnarztpraxis Säger, Grünstadt Abb. 1: OPG-Ausgangsituation vor dem Unfall nach abgeschlossener KFO-Behandlung DR. ACHIM KÖNIG Endodontische Schwerpunktpraxis- Kurbrunnenstr. 9, 67098 Bad Dürkheim rezeption@koenig-zahnaerzte.de Foto: Hans-Georg Merkel 1 52 | ZAHNMEDIZIN

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