Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 11

zm 110, Nr. 11, 1.6.2020, (1108) PRAXISBASIERTES FORSCHUNGSNETZWERK IN FREIBURG Welche Ergebnisse bringt die Parodontaltherapie in Zahnarztpraxen? Stefanie Peikert, Felix Mittelhamm, Kirstin Vach, Eberhard Frisch, Elmar Hellwig, Petra Ratka-Krüger, Johan Wölber Die Evidenz für den Erfolg oder Misserfolg zahnärztlicher Behandlungsmethoden wird heute nahezu ausschließlich durch klinische Studien im universitären Behandlungsumfeld generiert. Die Patientenversorgung in der Praxis findet jedoch unter Rahmenbedingungen statt, die sich von den strengen Protokollen der universitären Studien unterschei- den. Der in klinischen Studien festgestellte Erfolg einer Therapie muss deshalb in der Praxis überprüft werden. Freiburger Wissenschaftler haben ein praxisbasiertes Forschungsnetzwerk geschaffen, mit dem die Effekte der systematischen Parodontaltherapie in der alltäglichen Patientenversorgung gemessen werden können. M it einer gezielten Therapie lässt sich das Fortschrei- ten einer Parodontitis aufhalten. Dadurch gelingt es, Zähne zu erhalten und die mundgesundheits- bezogene Lebensqualität der Patienten zu verbessern [Gra- ziani et al., 2017; Graziani et al., 2019]. Allerdings stammt die Evidenz dafür zum größten Teil aus Forschung in einem universitären Behandlungsumfeld [Rørtveit, 2014]. Die klinischen Studien werden nach strengen Richtlinien und Behandlungsprotokollen durchgeführt, um Störeinflüsse auf ein Minimum zu reduzieren und somit einen hohen Grad an Evidenz zu erreichen. Dies spiegelt allerdings nur bedingt die Behandlungssituation in den niedergelassenen zahnärzt- lichen Praxen wider. Darüber hinaus werden weniger als 1 Prozent der Gesamtbevölkerung in den universitären Klini- ken behandelt [Rørtveit, 2014]. Dementsprechend erhalten 99 Prozent der Patienten ihre zahnärztliche Versorgung in niedergelassenen Praxen und in einem Umfeld, das sich in Bezug auf Behandlungszeit, Kosten, Ausbildung und Bezahlung sowie die Verwendung evidenzbasierter Behand- lungsprotokolle stark von dem an Universitäten unterschei- det [Spallek et al., 2010]. Eine Studie von Norton et al. verglich verschiedene Behand- lungsverfahren, Prävention und Diagnostik von niederge- lassenen Zahnärzten mit den vorliegenden Behandlungs- richtlinien. Die Zahnärzte füllten hierfür einen Fragebogen über zwölf Behandlungsszenarien aus. Die Antworten wur- den mit der veröffentlichten Evidenz verglichen und als konsistent oder inkonsistent eingestuft. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass lediglich 62 Prozent der niedergelasse- nen Zahnärzte den empfohlenen Behandlungsrichtlinien folgten und zeigt somit, dass es teilweise schwierig ist, die aus dem universitären Umfeld etablierten vorhandenen Behandlungsrichtlinien im Arbeitsalltag einer niedergelas- senen Praxis einzubringen [Norton et al., 2014]. NETZWERK VERBINDET FORSCHUNG UND PRAXIS Um diesen Unterschied in der Behandlung zwischen akademischem Umfeld und niedergelassener Praxis näher zu beleuchten, wurde in den USA Anfang der 1970er-Jahre PD DR. EBERHARD FRISCH, M.SC . Universitätsklinikum Freiburg, Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg und Zahnarztpraxis Dres. Heike und Eberhard Frisch, Implantologie-Zentrum Nordhessen Industriestr. 17 A, 34369 Hofgeismar Foto: privat DR. STEFANIE ANNA PEIKERT Universitätsklinikum Freiburg, Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg Foto: privat DR. FELIX MITTELHAMM, M.SC . Zahnarztpraxis Dres. Tina und Felix Mittelhamm, Moorhof 7b, 22399 Hamburg Foto: privat KIRSTIN VACH Universitätsklinikum Freiburg, Institut für Medizinische Biometrie und Statistik Stefan-Meier-Str. 26, 79104 Freiburg Foto: privat 50 | ZAHNMEDIZIN

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