Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 12

zm 110, Nr. 12, 16.6.2020, (1204) DR. SABINE HERLITZIUS LEITET EIN GESUNDHEITSAMT Zähne zeigen – und zusammenbeißen Die gebürtige Kölnerin Dr. Sabine Herlitzius leitet seit zehn Jahren das Gesundheitsamt in Kiel, sie ist bundesweit die einzige Zahnärztin. Als Kind wollte sie Meeresbiologin werden, machte aber zuerst „aus Vernunftsgründen“ eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin – dann studierte sie Zahnmedizin. Ein Porträt. D erzeit ist, ganz klar, Corona das beherrschende Thema ihrer Ar- beit. „Wir werden mit Anfragen überschüttet“, berichet Herlitzius, „COVID-19 hat unseren Arbeitsalltag völlig verändert.“ Ihr Team besteht aus 90 MitarbeiterInnen und wurde und wird noch aufgestockt, um den Anfor- derungen in der Pandemie gerecht zu werden. Zeit für die zahnärztlichen Arbeiten, die das Gesundheitsamt Kiel in normalen Zeiten durchführt, bleibt derzeit nicht. „Wir wollen aber möglichst bald wieder unsere Kernaufgaben aufnehmen“, sagt Herlitzius. „Beim Zahnärztlichen Dienst ist das besonders schwierig, weil wir vor Ort in den Schulen und Kitas tätig sind. Hier herrscht noch kein Regelbetrieb, sondern eine vorsichtige Erweiterung des Unterrichts- und Betreuungsangebots. Es macht wenig Sinn, Kollegen für wenige Kinder in die Einrichtungen zu schicken, wenn wir sie gleichzeitig hier im Haus drin- gend brauchen. Ich hoffe, dass wir nach den Sommerferien wieder in den Normalbetrieb zurückkehren.“ Die Bewältigung der neuen Aufgaben erfordert großes Personalmanagement. Das ganze Haus arbeitet derzeit im Infektionsschutz – und das sieben Tage die Woche. So mussten zum Beispiel Menschen, die sich in häuslicher Quarantäne befinden, seit Beginn der Corona-Pandemie täglich angerufen werden. Herlitzius: „Diese Aufgabe des ambulanten Monitorings geben wir mittlerweile an die Hausärzte weiter.“ DIE MEERESBIOLOGIE WAR DEN ELTERN ZU BROTLOS Meeresbiologin wollte sie als Kind wer- den, die Eltern rieten jedoch zu einem Beruf, der mehr Sicherheit versprach. „Der Beruf der Meeresbiologin war damals sehr außergewöhnlich und un- populär, meine Eltern hatten einfach Angst, dass es eine brotlose Kunst sein könnte. Da ich immer an Naturwissen- schaften und Menschen interessiert war, habe ich mit 16 Jahren zunächst eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin absolviert.“ Schnell stellte sie fest, dass ihre Wissbegierde und Begeisterung für den Beruf nach mehr rief. Ermuntert von ihrem Ausbilder entschied sie sich für das Abendgymnasium, machte Abitur und studierte ab 1986 in Kiel Zahnmedizin. „Ich habe das Studium mit der Vorstellung begonnen, eines Tages in einer eigenen Praxis tätig zu sein“, erzählt sie. Aber es kam anders. WER DENKT, DIE ARBEIT AUF DEM AMT SEI DRÖGE ... 1993 begann Herlitzius auf einer hal- ben Stelle im Zahnärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes. „Anfangs habe ich parallel in einer Praxis und im Gesundheitsamt gearbeitet.“ Seit 1995 arbeitet sie Vollzeit im Amt für Ge- sundheit, anfangs in der Kieler „Zahn- station West“, ab 2009 als Sach- bereichsleitung zahnärztlicher Dienst und Abteilungsleitung, von 2010 an zunächst kommissarisch, später als Leiterin des Gesundheitsamtes. Wer denkt, die Arbeit auf dem Amt sei dröge – weit gefehlt. Herlitzius jedenfalls hat hier ihre Berufung ge- funden: Foto: Lh Kiel / Bodo Quante Dr. Sabine Herlitzius, Leiterin des Kieler Gesundheitsamts 34 | POLITIK

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