Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 8

zm 111, Nr. 8, 16.4.2021, (686) DER BESONDERE FALL MIT CME Erstbeschreibung eines zystisch transformierten Plattenepithelkarzinoms der Parotis Diana Heimes, Peer W. Kämmerer Zunächst zeigte sich intraoperativ nur eine zystische Struktur, aus der sich klare Flüssigkeit entleerte – die Histologie bestätigte proliferierendes Gewebe, das auf ein teilweise zystisch transformiertes Plattenepithelkarzinom (Squamous Cell Carcinoma, SCC) der Parotis schließen ließ. Nach bisherigem Kenntnisstand handelt es sich hierbei um die Erst- beschreibung eines solchen Befunds. I mmer wieder sieht sich der nieder- gelassene Zahnarzt mit Pathologien konfrontiert, die nicht unmittelbar in sein Gebiet fallen. Nicht selten kommt es im Rahmen eines Zahn- arztbesuchs zur Erstdiagnose eines Tumors der kleinen und großen Speicheldrüsen. Aufgrund der Viel- zahl möglicher Differenzialdiagnosen ist hier eine ausführliche klinische und eine anschließende bildgebende Diagnostik von großer Bedeutung. Insbesondere maligne sollten von benignen Prozessen unterschieden und entsprechende Therapieentschei- dungen getroffen werden. Anhand des vorliegenden Falls wird deutlich, welche Bedeutung dem niedergelasse- nen Zahnarzt als erstem Ansprech- partner für den Patienten und der an- schließenden korrekten Einschätzung und Organisation der Weiterbehand- lung zukommt. KASUISTIK Ein 81-jähriger Mann stellte sich mit einer seit drei Wochen progredienten, indolenten Raumforderung präauri- kulär links in der Klinik und Polikli- nik für Mund-, Kiefer- und Gesichts- chirurgie der Universitätsmedizin Mainz vor. Klinisch zeigte sich ein nicht druckdolenter Befund von pal- patorisch 2 cm x 2 cm Größe im Be- reich der linken Glandula parotidea (Abbildung 1). Der Patient beklagte weder eine typische Okklusionssymp- tomatik (Schmerzen vor und während der Nahrungsmittelaufnahme, typisch für einen Verschluss des Speicheldrü- sengangs bei Sialolithiasis), noch eine Xerostomie (zum Beispiel im Rahmen eines Sjögren-Syndroms). Die Raumforderung sei innerhalb der vergangenen drei Wochen entstanden und nehme immer wieder an Volumen ab und zu. In der enoralen Unter- suchung zeigten sich keinerlei Auffäl- ligkeiten im Sinne eines geröteten Ausführungsgangs, von Pus oder eines über den Verlauf des Ductus paroti- deus palpatorischen Steins. Auf Mas- sage der Drüse entleerte sich regel- recht Speichel über den Ausführungs- gang. Abseits der lokalen Symptoma- tik berichtete der Patient lediglich Abb. 1: Die zum Zeitpunkt der Vorstellung seit drei Wochen progrediente Raumforderung des Patienten Quelle: Peer W. Kämmerer b c a 28 | ZAHNMEDIZIN

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=