Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 12

zm 111, Nr. 12, 16.6.2021, (1162) MKG-CHIRURGIE Plattenepithelkarzinom bei einem Patienten mit Fanconi-Anämie Sameena Sandhu, Jürgen Hoffmann, Oliver Ristow Zu den Risikofaktoren für orale Plattenepithelkarzinome zählt neben dem Abusus von Alkohol, dem Nikotinabusus und mechanischen Reizen auch ein höheres Alter. Nur selten tritt diese Art von Neoplasien bei jungen Patienten auf. Dann sind häufig Begleiterkrankungen ursächlich – wie im folgenden Fall eines 19-jährigen Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom im Bereich des Hartgaumens und Alveolarfortsatzes. D ie ambulante Erstvorstellung des Patienten erfolgte im Mai 2019 aufgrund einer neu auf- getretenen, über zwei Monate größen- progredienten Schleimhautverände- rung im Bereich des Hartgaumens links (Abbildung 1). Die bereits aus- wärts durchgeführte Probeexzision er- gab die Diagnose eines mäßig diffe- renzierten Plattenepithelkarzinoms. Typische Risikofaktoren wie Alkohol- und Nikotinabusus lagen nicht vor. Als Grunderkrankung war jedoch eine Fanconi-Anämie bekannt. Im Alter von sechs Jahren war bei dem Patienten eine Knochenmarktrans- plantation durchgeführt worden. Klinisch präsentierte sich der Patient im minderwüchsigen Habitus und in gutem Allgemeinzustand. Bei Inspek- tion des restlichen Körpers fielen Café-au-Lait-Flecken im Bereich des Oberkörpers (Abbildung 2), eine Fehlbildung der Finger sowie beid- seits iatrogen entfernte, kongenital- hypoplastische Daumen auf (Abbil- dung 3). Anamnestisch ließen sich zudem eine linksseitige Nierenagene- sie und eine rechtsseitige Doppel- niere, das beiderseitige Vorliegen einer Halsrippe und eine bei Geburt bestehende subvalvuläre Aorten- stenose eruieren. Letztere war bereits operativ behandelt. Nach der leitliniengerechten Tumor- ausbreitungsdiagnostik erfolgte die operative Therapie mittels Tumor- resektion im Sinne einer Oberkiefer- teilresektion links, ipsilateraler selek- tiver Lymphknotenausräumung der Level I-III und eines weichgewebigen Defektverschlusses mittels mikro- chirurgisch anastomosiertem faszio- kutanem Transplantat aus dem Bereich des antero-lateralen Oberschenkels (ALT). Auf eine knöcherne Rekon- struktion wurde in diesem Fall be- wusst verzichtet, um den Eingriff auf das notwendige Minimum hinsicht- lich Dauer, Ausdehnung und Wund- flächen zu begrenzen. Hintergrund hierfür sind die weiter unten vorge- stellten speziell zu berücksichtigen- den Risiken bei der Behandlung von Patienten mit Fanconi-Anämie. Die Operation verlief komplikations- los und der postoperative Verlauf ge- staltete sich regelrecht. Der Patient be- findet sich derzeit in engmaschigen Verlaufskontrollen und zeigte sich hier bislang mit klinisch unauffälli- gen Schleimhautverhältnissen ohne Anhalt für ein Rezidiv. Fotos: MKG UK Heidelberg Abb. 1: Klinischer Befund bei Erstvorstellung nach bereits erfolgter Probeentnahme alio loco ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion ange- fordert werden. 68 | ZAHNMEDIZIN

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