Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 20

zm 111, Nr. 20, 16.10.2021, (1928) DOCTOLIB & CO. Risiken und Nebenwirkungen von Termin-Management-Systemen Ein komfortable Terminvergabe rund um die Uhr und eine höhere Praxisauslastung bei gleichzeitiger Entlastung des Empfangs – das versprechen Termin-Management-Systeme wie Arzttermin.de, Doctolib, jameda, Samedi und andere. Der Service kann jedoch zum Risiko werden, wenn es ein Dienstleister mit der Datensicherheit nicht so genau nimmt. Ein großer Anbieter erhielt im Sommer die Datenschutz-Negativauszeichnung Big Brother Award 2021 und wird aktuell als einziges Unternehmen seiner Branche von der Berliner Datenschutzbeauftragten überprüft. L aut einer im Januar 2021 ver- öffentlichten Untersuchung der Stiftung Warentest werden in Deutschland monatlich Millionen Arzttermine über Apps und Tools ge- bucht. Der Schutz persönlicher Daten ist dabei laut Bericht jedoch nur beim eTerminservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV „sehr gut“. Für Zahnärzte keine gute Nachricht, denn das browserbasierte Tool ist nur für Kassenpatienten und nicht zur Buchung von Zahnarztterminen auf- gelegt worden. Anders das Angebot der Berliner Dr. Flex GmbH, der die Stiftung Waren- test einen „guten“ (Note 1,6) Daten- schutz bescheinigt. Ähnlich positiv fällt das Urteil nur noch bei der – in anderen Zusammenhängen in der Ärzteschaft nicht unumstrittenen – jameda GmbH (Note 1,9) aus. Deut- lich schlechter sind die Noten für den Datenschutz der Dienstleister Arzttermine.de (3,0), Doctena (3,3), Doctolib (3,6) und Samedi (3,7). MILLIONEN TERMINDATEN UNGESCHÜTZT IM NETZ? Die Note „ausreichend“ könnte für die Doctolib GmbH noch schmeichelhaft sein. Denn als einziger Dienstleister für Terminmanagement wird die deutsche Tochter der französischen Doctolib SAS von der Berliner Beauf- tragten für Datenschutz und Informa- tionsfreiheit überprüft. Denn bereits Ende 2020, genauer: am 29. Dezem- ber 2020, berichtete der Chaos Com- puter Club (CCC) anhand von Daten, die Unbekannte seinen Mitgliedern zur Verfügung gestellt hatten, dass Millionen Termindaten Doctolibs monatelang unverschlüsselt über das Internet gefunden werden konnten. Doctolib widerspricht – die verschie- denen Stellungnahmen weisen jedoch Ungereimtheiten auf. Bei den aufgefundenen Daten han- delte es sich nach Darstellung des CCC zwar nicht um medizinische Daten, jedoch durchaus um sensible Informationen: Denn über eine ein- fache Browsereingabe zweier URLs Auch Metadaten zum Terminmanagement verraten viel über Patienten und gelten darum nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) als Gesundheitsdaten. Damit sind sie besonders schützenswert. Foto: AdobeStock_stokkete 34 | PRAXIS

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