Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 20

zm 111, Nr. 20, 16.10.2021, (1966) DER BESONDERE FALL MIT CME Pleurakarzinose bei metastasierendem oralem Plattenepithelkarzinom Fabia Siegberg, Daniel G. E. Thiem, Peer W. Kämmerer Eine Pleurakarzinose tritt entweder durch das Einwachsen topografisch nahe liegender Tumore beziehungsweise Metastasen oder durch lymphogene Metastasierung auf. Bei Frauen sind Mammakarzinome die häufigste Form der Primärtumore – und damit in anatomischer Nähe zum Rippenfell gelegen. Im vorliegenden Fall handelte es sich bei dem Primärtumor jedoch um ein Plattenepithelkarzinom der Zunge. Fast zwei Jahre nach der Erstdiagnose stellte sich die Patientin mit akuten Beschwerden und einem MRT-Befund mit der Verdachtsdiagnose eines malignen Pleuraergusses vor. I m Oktober 2018 wurde bei einer damals 64-jährigen Patientin ein Plattenepithelkarzinom am rech- ten Zungenrand diagnostiziert. Nach komplettiertem Staging erfolgte in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Ge- sichtschirurgie der Universitätsmedi- zin Mainz die vollständige Tumor- resektion (Abbildung 1), eine selektive zervikale Lymphadenektomie beid- seits der Level I-III und die primäre Defektrekonstruktion mit einem freien mikrovaskulär-anastomisierten Ulnaristransplantat. Die abschließende Tumorklassifikation (TNM) lautete: pT2, N0, L1, Pn1, M0, R0. Aufgrund des Tumorstadiums in Kombination mit der diagnostizierten Lymph- angiosis carcinomatosa (Infiltration der Lymphgefäßbahnen durch Tumor- zellen) und Perineuralscheideninfil- tration folgte eine adjuvante Radio- therapie der Primärtumorregion sowie des zervikalen Lymphabflussgebiets. So wurde die Region des Primär- tumors mit einem Boost von 64 Gy Gesamtdosis und die Level I-IV des Lymphabflussgebiets beidseits mit einer Dosis von 54 Gy bestrahlt. Die akuten Strahlenschäden hielten sich bei einer moderaten Strahlendermati- tis und einem ausgeprägten Mund- soor, der gut mit Amphomoronal- Tinktur behandelt werden konnte, in Grenzen. Im Februar 2019 konnte die Therapie nach Beendigung der adju- vanten Radiotherapie abgeschlossen werden. Im Rahmen der Leitlinien-gerechten Nachsorge mit jährlicher CT-Kontrolle und klinisch-sonografischer Inspek- tion alle ein bis drei Monate im ers- ten Jahr ergab sich kein Anhalt für das Vorliegen eines Lokalrezidivs, eines Zweitmalignoms oder einer lo- kalen Lymphknotenmetastasierung. Im Juli 2020 wurde die Patientin dann mit Atemnot und thorakalen Schmerzen sowie einer Belastungs- dyspnoe notfallmäßig vorstellig. Der Befundbericht eines kürzlich extern bei Rückenschmerzen angefertigten Abb. 1: Aufgespanntes Resektat des Primärtumors der Zunge zur pathohistologischen Diagnose Foto: Kämmerer CME AUF ZM-ONLINE Pleurakarzinose bei metastasierendem oralem Plattenepithelkarzinom Für eine erfolgreich gelöste Fortbildung erhalten Sie zwei CME-Punkte der BZÄK/DGZMK. 72 | ZAHNMEDIZIN

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