Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 21

zm 111, Nr. 21, 1.11.2021, (2048) der Bedeutung für die Entwicklungs- biologie der Zähne sind demnach fol- gende Merkmale beim Landgang der Fische: ! Aus dem Endoderm hervorgegan- genes orales Epithel induziert das Mesenchym zur Zahnentwicklung mit Enemaloid, Dentin und Osteodentin mit akrodontaler knöcherner Kieferbefestigung und (nur bei Larven) mit Zahn-Knorpel- Verbindung wie bei Haifischen. ! Zahnkeime verschmelzen während der Dentinbildung einzelner conodontaler Zähne (Urkonus) zu Zahnplatten. ! Abrasion der Zahnplattenspitzen und -höcker ! Resorption von Zähnen und Zahn- platten nach dem Larvenstadium ! Resorption aller Zahnplatten anterior und posterior, aber auch knochenseitig (apikal) ! Apposition neuer conodontaler Zähne posterior an den Platten anstelle von fehlenden Ersatzzähnen ! Hypoplasien von Enemaloid und Dentin als bekannte Entwicklungs- defekte (wie beim Menschen!) direkt nach dem Larvenstadium ! Dentinkaries/Erosionen durch Bio- filme in Schleimhaut-bedeckten Zahnplatten Diese hohe Komplexität ist paläo- anatomisch bei Lungenfischen seit dem Devon nachgewiesen. Die Viel- zahl der Zähne hört nach den Knor- pelfischen wie Haien und Rochen auf. Die morphologische Vielfalt bringt der Lungenfisch mit zu uns Tetra- poden, und sie kulminiert in extrem funktioneller Anpassung (wie Gift- zähnen von Schlagen) oder völliger Zahnlosigkeit bei Erhalt der geneti- schen Information (wie bei Vögeln). Also verdanken die meisten Vierfüß- ler (aber eben nicht alle) dem Riesen- Genom wie einem „selbstsüchtigen Gen“ (Selfish Gene) [Dawkins, 1976] nach seiner Landeroberung die Inno- vationen des Pulpa-Dentin-Komple- xes und des thekodontalen Parodonts mit in Alveolen verankerten Zähnen und mit dem krönenden Abschluss der ektodermalen Schmelzentwick- lung aus der Neuralleiste. So beginnt die Endodontologie und Periodonto- logie* tatsächlich erst mit der Land- nahme. KLINISCHE KONSEQUENZEN Entwicklungsbiologisch zeigt das Endodont eine wahre Vielfalt von Dentinbildungen [Gängler, 1986, 2000; Gängler und Metzler, 1989; Arnold et al., 2008]: Abb. 3: Haifischgebiss mit Enemaloid-Kappen, Orthodentin, Osteodentin, mitunter Vasodentin und Vorformen von Pulparäumen, ligamentär befestigt am Knorpelskelett Quelle: Wolfgang Schad PROF. DR. DR. H. C. PETER GÄNGLER ORMED, Institute for Oral Medicine at the University of Witten/Herdecke Alfred-Herrhausen-Str. 45, 58455 Witten peter.gaengler@uni-wh.de Foto: privat Abb. 4: Schnitt einer Zahnentwicklung vom Zebrafisch Danio rerio mit Pulpakammer, tubulärem Orthodentin und Enameloid, Histologie-bedingt demineralisiert Quelle: Arnold, Gängler 34 | ZAHNMEDIZIN

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