Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 21

zm 111, Nr. 21, 1.11.2021, (2098) I n dieser Online-Veranstaltung be- leuchtete die apoBank mit den neu gewählten Gesundheitspoli- tikern, welche klimapolitischen Maß- nahmen auf der Agenda ihrer Partei stehen und wie man zu einem klima- freundlicheren Gesundheitswesen kommt. Die Verknüpfung von Klimaneutra- lität und klassischer Gesundheits- politik werde ein spannendes Thema der nächsten Legislaturperiode, prog- nostizierte Dr. Paula Piechotta, Abge- ordnete von Bündnis 90/Die Grünen. „Wir müssen einen gesunden Mix finden aus ordnungsrechtlichem Rahmen, CO 2 -Bepreisung, Anreizen und rechtlichen Rahmenbedingun- gen“, forderte sie. „Und wir brauchen ein Klimasofortprogramm!“ Die Ra- diologin an der Universitätsklinik Leipzig berichtete, dass beispielsweise stationäre Aufenthalte in der Energie- bilanz mehr Klimakosten als ambu- lante Behandlungen verursachten. Für viele Kliniken sei Energie ein großer Kostenfaktor. Prof. Dr. Andrew Ullmann, MdB FDP, benannte die Auswirkungen von Hitze als Folge des Klimawandels auf eine immer älter werdende Bevöl- kerung und die Auswirkungen von bautechnischen Vernachlässigungen – etwa mangelnder Kälteschutz – auf die menschliche Gesundheit. „Klima- schutz ist auch Gesundheitsschutz“, sagte Ullmann, der auch Infektiologe an der Universität Würzburg ist. Ein wichtiger Faktor dabei sei die intrin- sische Motivation jedes Einzelnen, mehr für den Klimaschutz zu tun. Hierzu brauche es politische Anreize, etwa eine finanzielle Unterstützung von nachhaltigen Projekten wie „Green Hospitals“. Er sprach sich dafür aus, Strategien zu entwickeln, um mehr Bewusstsein bei der Be- völkerung oder beim Gesundheits- personal für den Klimaschutz zu wecken. Denn: „Es ist erstaunlich, wie unser CO 2 -Abdruck im Gesund- heitswesen aussieht – der ist nämlich größer als der im Flugverkehr“. DIE KLIMAKRISE IST EIN MEDIZINISCHER NOTFALL „Wir brauchen einen Wertewandel, viele haben noch nicht verstanden, worum es geht“, betonte Jörg Schmid, Arzt und Mitbegründer der „Health For Future“-Gruppe Tübingen. „Wir müssen die Klimakrise als medizi- nischen Notfall anerkennen, die The- rapie einleiten und das Schlimmste verhindern“, sagte er. Es sei „medizi- nisch indiziert“, das Gesundheits- wesen nachhaltig zu machen. Und: „Wir können es uns volkswirtschaft- lich nicht leisten, unsere Lebens- grundlage gegen die Wand zu fahren. Was uns aber noch fehlt, ist die Vor- stellungskraft, wie wir unser Gesund- heitssystem transformieren können.“ Sven Jansen von Noventi Health SE betonte, es seien die ganz vielen kleinen Schritte, die am Ende den großen Effekt ausmachen. Der Klima- wandel müsse ganzheitlich betrachtet werden, die Politik könne dies nicht allein stemmen, vielmehr müsse die Privatwirtschaft unterstützend tätig werden. So habe etwa sein Unterneh- men zunächst mit kleinen Dingen, etwa dem Wechsel von Drucker und Toner begonnen, auf Ökostrom um- gestellt, schließlich auf Elektrik- und Hybridautos gesetzt und besitze nun eigene Bienenstöcke und investiere in die Aufforstung. Markus Semmelroch, technischer Lei- ter einer klimaneutralen Klinik in Lichtenfels, sprach sich dafür aus, Nachhaltigkeit in der Praxis zu leben. Die Politik könne beispielsweise ver- schiedene Förderprogramme ent- wickeln. Allerdings dürften diese dann nicht mit zu starren und un- flexiblen Auflagen versehen werden: „Wir brauchen schnelle Entschei- dungen, eine hohe Flexibilität und Individualisierung.“ pr Die Gesundheitsbranche ist in Deutschland für 5,2 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. APOTALK ZU NACHHALTIGKEIT UND GESUNDHEIT Der CO 2 -Abdruck ist größer als im Flugverkehr! Der Klimawandel macht krank und birgt Herausforderungen für das Gesundheitssystem. Aber ein klimafreundliches Gesundheitswesen – geht das überhaupt? Kurz nach der Bundestagswahl ging es im „apoTalk Spezial“ am 15. Oktober um Nachhaltigkeit und Gesundheit. Input kam von Expertinnen und Experten aus Politik und Praxis. Foto: AdobeStock_J.M. Image Factory 84 | POLITIK

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