Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 3

zm112, Nr. 3, 1.2.2022, (218) DR. ECKART VON HIRSCHHAUSEN WIRD HONORARPROFESSOR IN MARBURG „Kleine Gesten machen einen großen Unterschied“ „Machen Sie den Mund erst auf, wenn Sie die Augenfarbe Ihres Patienten benennen können“, empfiehlt der Arzt und Bestsellerautor Dr. Eckart von Hirschhausen angehenden Medizinern. Mit solchen Ratschlägen will er – als neuer Honorarprofessor in Marburg – in seinen Vorlesungen über „Sprache in der Medizin“ die Bedeutung einer bewussten Gesprächsführung herausarbeiten. Ich möchte gerne das in den Vorlesungen weitergeben, was ich selber dort nie gehört habe“, sagte von Hirschhausen am 11. Januar bei seiner offiziellen Ernennung und Antrittsvorlesung als Honorarprofessor für Medizin an der Universität Marburg. Es sei wichtig, seine Worte für die Patienten so sorgsam zu wählen wie andere Arzneien, betonte er. „Warum Worte Medizin sind – zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter der Digitalisierung“ lautet denn auch der Titel der Vorlesung. Der Arzt, Wissenschaftsjournalist, Buchautor und TV-Moderator wird in Marburg ab dem Sommersemester über „Sprache in der Medizin“ und „Klimawandel und Medizin“ referieren. Richtig nachfragen, die Perspektive wechseln und die Sicht des Patienten einbeziehen – das macht für von Hirschhausen die Qualität von Shared Decision Making aus. Ein guter Arzt müsse „auch mal querdenken“: Schließlich könne die richtige Frage Leben retten. Er ermunterte die Studierenden, ihre eigenen Thesen zu hinterfragen: „Gibt es etwas, das ich nicht gesehen habe?“ „Shared Decision Making kann man lernen“, erklärte von Hirschhausen, auch wenn Gesprächsführung gemeinhin als „Glückssache“ betrachtet werde – „kann man schon irgendwie“. Doch das sei ein Trugschluss: Für die Gesprächsführung benötige man eine ähnlich hohe Befähigung wie beim Setzen eines Herzkatheters. Ein Arzt führe in seinem Berufsleben etwa 200.000 Gespräche mit Patienten – das sei mit Abstand die häufigste ärztliche Tätigkeit. Sein Rat: Wenn ein Patient ins Sprechzimmer kommt, sollte der Arzt sich nicht hinter seinem Bildschirm verschanzen, und losquatschen, sondern: „Machen Sie erst den Mund auf, wenn Sie die Augenfarbe des Gegenübers benennen können!“ Dann habe man auch nicht den Impuls, sofort loszureden. „EIN GUTER ARZT ZEICHNET SICH DURCH DEMUT AUS“ Auch kleine Gesten der Zuwendung – wie die Hand eines Patienten zu ergreifen – könnten einen großen Unterschied machen. Von Hirschhausen berichtete von dem Fall eines nach einem Unfall Querschnittsgelähmten in einer Rehaklinik, der kurz davor war, sich das Leben zu nehmen. Doch ein Medizinstudent sei jeden Abend zu dem Patienten gekommen, habe sich zu ihm gesetzt, dessen Hand genommen, ihn gefragt, wie es ihm geht, und versprochen, am nächsten Tag wiederzukommen. Der Patient hielt durch. „Eine Geste, die nicht einmal eine Minute dauert, kann Leben retten“, hob von Hirschhausen hervor. „Ein guter Arzt zeichnet sich nicht durch Selbstüberschätzung, sondern durch Demut aus.“ Für die Universität Marburg sieht er gute Zukunftsperspektiven in der Kombination von Kompetenzen mit digitaler Medizin. Grundlagenforschung und Hightech-Medizin seien in Deutschland hervorragend, aber die Pandemie und die Flutkatastrophe im Ahrtal hätten gezeigt, dass ein Gesundheitswesen aufgrund von banalen Dingen wie der Beschaffung von Masken oder einem fehlerhaften Frühwarnsystem ins Schlingern geraten kann. Die jetzt geschaffene Honorarprofessur solle auch dazu genutzt werden, eine medizinisch fundierte Sichtlich erfreut hält Dr. Eckart von Hirschhausen seinen neuen Titel in den Händen. Er selbst war auch nicht mit leeren Händen gekommen, bei seiner Antrittsvorlesung hatte er viele Tipps dabei: „Wir tun gerne das, was wir gut tun, und ignorieren dabei, dass ein Patient manchmal etwas anderes braucht.“ Foto: Henrik Isenberg 64 | GESELLSCHAFT

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