Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 8

zm112, Nr. 8, 16.4.2022, (732) DENTALE START-UPS IN DEN USA Ein Zahnputzbecher für 55 Dollar Eine lebensnahe Versorgung in coolen Wohlfühlpraxen, die Künstliche Intelligenz einsetzen und hippe Mundpflegeprodukte vertreiben – in den USA buhlen Start-ups aus der Dentalbranche mit (Pseudo)Innovationen um Patienten. Die Vision ist, das Image und die Versorgungsleistung der Branche in den USA nachhaltig zu verbessern. Hip gestaltete Instagram-taugliche Zahnarztpraxen mit Wohlfühlfaktor sind das Markenzeichen des New Yorker Start-ups Tend. Seit dem Markteintritt im Oktober 2019 arbeitet das Unternehmen nach eigener Aussage daran, einen neuen Ausstattungsstandard für Zahnarztpraxen zu setzen und ein „patientenzentriertes Erlebnis in einer beruhigenden und sicheren Umgebung“ zu bieten. Was nach Weltverbesserung und Innovation klingt, ist in Wirklichkeit eine knallharte Marketing-Strategie. Und die folgt einer Vermutung, die US-Psychologen wie Lisa Heaton vom Portal www.dentalfearcentral.org stützen: Nämlich die, dass bis zu 75 Prozent aller Amerikaner in irgendeiner Weise Unbehagen oder Angst verspüren, wenn sie an den nächsten Zahnarztbesuch denken – obwohl die Prävalenz von diagnostizierter Zahnarztangst bei Erwachsenen in den USA bei etwa 10 Prozent liegt. Holzgetäfelte Wände, sanfte Beleuchtung, braune Lederbänke und Marmortische: die Tend-Praxen in den USMetropolen New York City (11), Washington D. C. (6), Boston (2) und Atlanta (2) sind designorientiert eingerichtet und bieten neben modernster Behandlungstechnologie eine Vielzahl von hübschen Annehmlichkeiten: Die Patienten können während der Behandlung ihren favorisierten Streamingdienst auf einem Deckenfernseher genießen, Geräusch-unterdrückende Kopfhörer reduzieren dabei akustische, Designer-Sonnenbrillen optische Störfaktoren. BINGE WATCHING IM BEHANDLUNGSSTUHL Aus Patientensicht habe sich der Zahnarztbesuch „seit Jahrzehnten nicht geändert“, sagte Tend-Mitgründer Andy Grover dem Boston Globe, als er nach seiner Motivation gefragt wurde. „Im Jahr 2021 zum Zahnarzt zu gehen, fühlt sich größtenteils so an, als würde man 1981 oder vielleicht sogar 1961 zum Zahnarzt gehen.“ Das will Tend ändern und die Praxis zu einem Ort machen, „auf den sich die Patienten freuen“. Dazu soll ein Mix aus Hightech (unter anderem besonders geräuscharme Winkelstücke) und Serviceversprechen („Durchschnittliche Wartezeit 3 Minuten“) beitragen. Wagniskapitalgeber konnten Grover und sein Mitbegründer und Tend-Chef Doug Hudson auf jeden Fall überzeugen: Medienberichten zufolge hat Tend in drei Finanzierungsrunden rund 198 Millionen US-Dollar für die Umsetzung seiner Ideen eingeworben. Nach letzten Mitteilungen arbeiten 256 Mitarbeiter für das Start-up, dass Quelle: Screenshot zm 30 | GESELLSCHAFT

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