Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 23-24

zm112, Nr. 23-24, 1.12.2022, (2288) Gaben erste Studien die Prävalenz der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) in den USA mit vier Prozent der männlichen und zwei Prozent der weiblichen Bevölkerung an [Young et al., 1993], belegen aktuellere Erhebungen mittlerweile wesentlich höhere Zahlen: 2015 wurden in der Schweizer Bevölkerung im Lebensalter von 40 bis 80 Jahren Prävalenzzahlen von 49,7 Prozent bei Männern und 23,4 Prozent bei Frauen allein für die mittel- und die schwergradige Ausprägung der OSA gefunden (AHI > 15/h) [Heinzer et al., 2015]. Aufgrund einer häufig fehlenden eindeutigen Abgrenzung des Schnarchens gegenüber der OSA schwanken dagegen die Prävalenzangaben für das Schnarchen mit 2 Prozent bis 86 Prozent stark [DGHNO, 2019]. In Abhängigkeit von der Ausprägung der OSA und des Schnarchens können allgemeine Maßnahmen, zum Beispiel Gewichtsreduktion, Bewegungs- oder Lagetherapie, empfohlen oder spezielle Behandlungsmethoden wie die Positivdrucktherapie, die UPSTherapie und operative Methoden eingesetzt werden [DGSM, 2017]. Die UPS-Therapie weist allerdings gegenüber der Positivdrucktherapie eine höhere Adhärenz und dadurch eine vergleichbare Effektivität auf und ermöglicht eine nebenwirkungsarme Behandlung [Phillips et al., 2013; Bratton et al., 2015]. Der Wirkmechanismus einer UPS wird überwiegend durch die Vorverlagerung des Unterkiefers ausgelöst und führt über eine dadurch vermittelte Spannung der suprahyoidalen Gewebe zu einer luminalen Vergrößerung und Stabilisierung des Atemwegs auf Höhe des Velums, des Zungengrundes und der Epiglottis [Mayer et al., 2017]. Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Schlafmedizin (DGZS) wurde im Rahmen der ersten UPS-Leitlinie eine klinische Handlungsempfehlung zur UPS-Therapie entwickelt (Abbildung 2). Im Folgenden werden die verschiedenen Etappen leitliniengerechter Diagnostik und Therapie entlang eines klinischen Beispiels dargestellt und erläutert. Abb. 1: UPS-Flügelschiene mit bilateralen frontalen Elastikketten zum Verhindern der Mundöffnung im Schlaf Foto: Horst Kares LEITLINIENGERECHTE THERAPIE MIT EINER UNTERKIEFERPROTRUSIONSSCHIENE Der klinische Algorithmus der UPS-Behandlung Horst Kares Im November 2021 erschien die erste S1-Leitlinie zur zahnärztlichen Behandlung von Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe unter dem Titel „Die Unterkieferprotrusionsschiene (UPS): Anwendung in der zahnärztlichen Schlafmedizin beim Erwachsenen“. Wenig später wurde die Behandlung in den GKV-Leistungskatalog aufgenommen. Knapp ein Jahr später liegen nun erste klinische Erfahrungen im Umgang mit der Leitlinie vor. CME AUF ZM-ONLINE Der klinische Algorithmus der UPS-Behandlung Für eine erfolgreich gelöste Fortbildung erhalten Sie zwei CME-Punkte der BZÄK/DGZMK. 46 | ZAHNMEDIZIN

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