Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 23-24

zm112, Nr. 23-24, 1.12.2022, (2299) Tritt eine Kontaktallergie an der Mundschleimhaut auf, kann diese laut Brehler verschiedene Symptome aufweisen. Es könne sich das Bild einer Stomatitis mit Erythem oder Ödem zeigen, auch Lippenschwellungen, Cheilitis und periorale Dermatitis gehörten zu den häufigeren Symptomen. Darüber hinaus – wenn auch etwas seltener – kämen auch Mundschleimhautaphthen, eine orale Granulomatose, das Burning-MouthSyndrom, Geschmacksstörungen, Xerostomie und Schmerzen der Mundschleimhaut als Symptome einer oralen Kontaktallergie vor. Neben den direkten Hautreaktionen könnten auch nicht-ekzematöse, kontaktallergische Reaktionen vorkommen. Brehler nannte hier vor allem Lichenplanus-artige sowie bullöse, knotigpapulöse oder pustolöse Reaktionen. Die Diagnostik sei mitunter schwer. Eine genaue Anamnese sei genauso wichtig, wie die genaue Kenntnis der Zusammensetzung der dentalen Materialien, erklärte der Experte. Für einen Epikutantest sollten idealerweise Substanzen in definierten, nicht-irritativen Konzentrationen verwendet werden. Der Test solle aber nur nach Abheilung des Ekzems durchgeführt werden. Dafür werde das potenzielle Allergen meist auf dem Rücken aufgetragen und die mögliche Hautreaktion, die mitunter erst 96 Stunden nach Allergenkontakt auftreten könne, beurteilt. Zwischen Sensibilisierung und Allergie zu unterscheiden, ist laut Brehler eine dermatologische Herausforderung. Ein positiver Epikutantest beweise zwar das Vorliegen einer Sensibilisierung, aber nicht immer habe diese auch klinische Relevanz. Selbst wenn eine Allergie bestehe, sei diese nicht zwangsläufig für die Mundschleimhaut-Symptomatik verantwortlich. Brehler berichtete von einer Patientin, bei der ein Ekzem am Ohr durch eine orale allergische Reaktion auf einen dentalen Werkstoff wieder auftrat, obwohl dort gar kein direkter Allergenkontakt stattgefunden hatte. Dieser sogenannten Aufflammreaktion gehe eine Sensibilisierung voraus. Ein späterer Kontakt mit einer nickelhaltigen Legierung im Mund könne ursprüngliche Ekzeme an den Körperstellen, an denen der Erstkontakt stattgefunden hat, wieder aufflammen lassen. Nickel-Allergiker haben häufig auch ein Palladium-Problem Dadurch, dass die Nickelmengen bei Gegenständen mit Hautkontakt heutzutage reguliert sind, komme es seltener zu Sensibilisierungen, erläuterte Brehler. Bei bereits sensibilisierten Personen könnten diese NickelMengen aber immer noch allergische Reaktionen auslösen. Nickelallergiker hätten zudem auch häufiger ein Palladium-Problem. Epikutantest-Reaktionen auf Gold sind laut Brehler meist irritativ und die Abgrenzung zur allergischen Reaktion ist schwierig. Auch wenn man lange Zeit glaubte, Titan sei inert, erwähnte Brehler Einzelfallberichte über Titanallergien. Dem Epikutantest könne man bei der Diagnostik einer Titanallergie kaum vertrauen. Betroffene Patientinnen und Patienten könnten dadurch schlimmstenfalls einen Implantatverlust erleiden. Überdies seien einzelne Partikel von Titan imstande, Entzündungsreaktionen auszulösen – diese sollten aber klar von allergischen Reaktionen abgegrenzt werden, denn es handele sich hierbei um eine andere Form einer Hypersensitivität. Es gebe aktuell keinen diesbezüglichen Test, aber durch den Epikutantest könne möglicherweise eine Sensibilisierung von anderen Metallen nachgewiesen werden. Zirkoniumdioxid könne als alternatives Material bei Titanunverträglichkeit erwogen werden, denn dort sei noch nicht von einer Allergie berichtet worden. Als möglichen Grund führte Brehler an, dass Zirkoniumdioxid nur rund halb so viele Partikel freisetze wie beispielsweise Titan. Von Acrylat-Allergien seien das zahnärztliche Personal sowie Beschäftigte im Nagelstudio am häufigsten betroffen. Acrylate seien in vielen Materialien wie beispielsweise Klebstoffen oder Lacken enthalten. Bereits ein einmaliger Monomerkontakt könne ausreichen, um eine Allergie auszulösen, erklärte Brehler. Die gute Nachricht von Brehler ist: Im Großen und Ganzen sind Allergien auf zahnärztliche Werkstoffe selten. Die Diagnostik sei allerdings nicht einfach und es müsse penibel auf die Abgrenzung von anderen Erkrankungen geachtet werden. UPDATE ORALES MIKROBIOM Prof. Dr. Christof Dörfer (Kiel) referierte über das orale Mikrobiom, das die Gemeinschaft aller Mikroorganismen in der Mundhöhle darstellt. Dazu zählen Bakterien, Nanobakterien, Archaebakterien (Vorläufer von BakDie Medizinethikerin Prof. Dr. Alena Buyx forderte vehement mehr Digitalisierung im Gesundheitswesen. Der Datenschutz dürfe nicht die Chancen der Technik verbauen. Quelle: Quintessenz Verlag ZAHNMEDIZIN | 57

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