Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 23-24

zm112, Nr. 23-24, 1.12.2022, (2248) Wer hätte noch vor drei Jahren gedacht, dass gleich zwei der größten Bedrohungen, die man sich als Mensch vorstellen kann, in kurzer Folge auf uns niederprasseln. Eine Pandemie, die auf dem Weg schien, unseren schönen Beruf abrupt zu beenden, und ein absurder Krieg, der unserem Leben die (wirtschaftliche) Grundlage entziehen könnte. Krise bedeutet Chance, heißt es und tatsächlich konnte die Zahnmedizin im vergangenen Jahr Chancen nutzen. „The Good“: 1. Mit „Zahnmedizin kann Hygiene“ haben wir uns den Respekt der gesamten Gesundheits-Community erworben. Der Anlass „Corona“ wird in Vergessenheit geraten, die Botschaft darf es nicht, denn sie ist unsere wichtigste Abwehr gegen die deutsche Hygiene-Überbürokratie. Bitte kommunizieren Sie weiterhin „Wir können Hygiene“! 2. Dass wir impfen dürfen, hat uns ebenfalls Augenhöhe und Respekt verschafft, egal ob jemand jetzt geimpft hat oder nicht. Den KZVen ist zu danken, dass sie den hochkomplexen Verwaltungsweg gangbar gemacht haben. Dieser Weg sollte auch für die Zukunft offen bleiben. 3. Eine 34 Jahre alte Gebührenordnung hat den – einzigen – „Vorteil“, dass sie nicht mehr die aktuelle Zahnmedizin abbildet. Dazu schlägt das Bundesgesundheitsministerium jetzt vor, die nicht enthaltenen Leistungen über die Analogabrechnung der Bundeszahnärztekammer zu erschließen. Aktuell wurde mit der Expertise der Länderreferentinnen und -referenten die neue ParoStrecke nachgebildet und befindet sich gerade in Abstimmung mit den PKVen. Weiteres muss folgen. 4. Die Parodontitis ist die SignatureErkrankung des Menschen, weil sie existiert – anders als die Karies –, seit es Menschen gibt. Mit der Vorarbeit der Wissenschaft ist es endlich gelungen, einen Behandlungspfad zu entwickeln, der in der Praxis sicher funktionieren wird. Wie reif die Gesellschaft für diese Botschaft ist, zeigt der Erfolg der „Jetzt den Paro-Check machen!“- Kampagne der BZÄK, der alle Erwartungen übertroffen hat. Damit sind wir schon bei „The Bad“: 1. Eine GKV-Paro-Strecke zu genehmigen, um ihr dann hintenrum mit dem „GKV-Finanzstabilisierungsgesetz“ den Strom runterzudrehen, ist schlicht schäbig. Eins ist klar, die Paro-Strecke darf nicht sterben, weil sie so wichtig für die Mundund Allgemeingesundheit ist. Dafür kämpfen wir alle gemeinsam! 2. Deutschland liebt Bürokratie: Beantragen, prüfen, kontrollieren, verweigern und bestrafen. Leider haben die Betrügereien im Zusammenhang mit Corona-Testungen nicht vom Gegenteil überzeugt. Uns bleibt nur der ständige Abwehrkampf. Trotzdem sollten wir auch Erfolge erkennen. In der gut gemachten Befragung des Normenkontrollrats nannte die Zahnmedizin 2015 den Heil- und Kostenplan mit 52 Prozent als größte bürokratische Last. Vielleicht hat die Digitalisierung hier doch auch Erleichterung verschafft. Und jetzt „The Ugly“: 1. Die Ziele von Links (Grüne und SPD: MVZs in öffentlicher Hand) und Rechts (Investoren-MVZs) sind an einem Punkt völlig identisch: Sie wollen uns als alleine Sachkundigen das Steuer aus der Hand nehmen und uns auf den Kindersitz verbannen. Wir sollen schön brav und pflegeleicht angestellt sein, während vermeintliche Expertinnen und Experten von außen die Richtung bestimmen. Wie erfolgreich das dann sein wird, mag man gerne in der öffentlichen wie privaten Krankenhauswelt beobachten. Es gibt nur einen wirksamen Protest: Lasst Euch nieder und das besonders auch auf dem Land! 2. Wann wird die Politik endlich verstehen, dass sich Digitalisierung nicht staatlich verordnen lässt – so wenig wie iPhone, Tesla und TikTok. Und ja, uns Zahnärztinnen und Zahnärzten geht die Geduld aus, Tester für Prä-Beta-Telematik zu sein. Vermutlich wären Angestellte da pflegeleichter. Könnte das ein Grund dafür sein, dass die Politik Angestellte so schätzt? 3. Mit ständigem Klagen zerstören wir das Vertrauen unserer Jugend in eine Zukunft als Chefin oder Chef. Politisches Engagement ist die einzig richtige Antwort auf Probleme. Verbände, Kammern und KZVen sind das Forum dafür: Statt destruktiv motzen, konstruktiv machen! Sie werden es wissen, „The Good, the Bad and the Ugly“ ist der Titel eines Sergio-Leone-Westerns in dem zuletzt doch „The Good“ siegt. Dranbleiben lohnt sich! Prof. Dr. Christoph Benz Präsident der Bundeszahnärztekammer Dr. Romy Ermler Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer Konstantin von Laffert Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Fotos: BZÄK/axentis.de The Good, the Bad and the Ugly – das Jahr 2022 im Rückblick 06 | LEITARTIKEL

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