Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 8

64 | NACH 50 JAHREN HOBBY-ASTRONOMIE Amrumer Zahnarzt entdeckt unbekannten Kometen Seiner großer Leidenschaft begegnete Jost Jahn zum ersten Mal bei einer partiellen Sonnenfinsternis während des Schulunterrichts. Seitdem blieb er der Astronomie treu – und wurde belohnt: Mehr als ein halbes Jahrhundert später entdeckte der Zahnarzt bei der Auswertung frischer Teleskopaufnahmen einen unbekannten Kometen. P/2023 C1 kreist seitdem als „Jahn“ durch unser Sonnensystem – während sein Namensgeber schon neue Pläne entwickelt. In den Anfangstagen seines exotischen Hobbys beobachtete Jahn noch mit dem bloßen Auge, später mit dem Fernglas, ab 1975 dann mit seinem ersten Fernrohr, das er sich als Schüler mühsam zusammensparte. „Das kostete damals immerhin etwa 500 Mark“, erinnert er sich. Dafür erhielt er Qualität: Sein Kosmos LW 50 besitzt Jahn noch heute, auch wenn er es schon lange nicht mehr für Himmelsbeobachtungen nutzt. Das von Jahn genutzte Teleskop wiegt eine Tonne Nach vielen Zwischenstadien kommt seit 2013 stattdessen das Teleskop der „Stiftung für interaktive Astronomie und Astrophysik” zum Einsatz. Das sogenannte ROTAT (Remote Observatory Theoretical Astrophysics Tübingen) steht im Süden Frankreichs auf dem Gelände der Nationalsternwarte „Observatoire de Haute Provence“ (OHP), hat eine Länge von zwei Metern, einen Durchmesser von 60 Zentimetern und wiegt gut eine Tonne. Da Jahn für die Stiftung die technische Betreuung der ROTAT-Software übernimmt und „mal hilft, wenn es irgendwo hakt", darf er das Profi-Teleskop immer dann privat nutzen, wenn es nicht für Ausbildungszwecke gebucht ist. Hierbei kommen dem Zahnarzt seine autodidaktisch erworbenen Programmierkenntnisse und die Erfahrungen aus ein paar IT-Jobs zugute, die er damals neben dem Studium in Hamburg ausübte. Der Erfolg kam nach mehreren Hunderttausend Aufnahmen Mehr als 1.000 Nächte steuerte Jahn so von Amrum aus ROTAT an und dirigierte das Teleskop mithilfe einer selbst geschriebenen Software zu den für ihn interessanten Bereichen des Alls, um automatisiert Aufnahmen zu machen. Schätzungsweise seien es in all den Jahren mehrere Hunderttausend gewesen, sagt Jahn, der zu einer Gruppe von etwa 30 Hobby-Astronomen weltweit gehört, die sich auf die Kometensuche spezialisiert haben. Wenn der Zahnarzt und Kometensucher nach einer Beobachtungsnacht morgens aufsteht, haben wieder andere Skripte auf seinem Computer die in der Cloud gespeicherten Digitalaufnahmen bereits vor-ausgewertet. Der bis dahin unbekannte Komet auf den ROTAT-Aufnahmen aus der Nacht zm113 Nr. 08, 16.04.2023, (658) Foto: Jahn Zahnarzt Jost Jahn praktiziert nach beruflichen Stationen in Husum und im niedersächsischen Uelzen seit 2008 auf Amrum, ganz bewusst mit nur einem Behandlungszimmer. Den für Ende 2022 geplanten Ruhestand hat der 64-Jährige vorerst aufgeschoben, um die Versorgung von Insulanern und Touristen weiter sicherzustellen. Foto: Jahn

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