Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 07

66 | GESELLSCHAFT hebliche Repressionen erlitt. Vor allem in den Jahren 1939 bis 1945 war sein Leben von Verhaftungen, Anklagen, Gefängnisaufenthalten und Erkrankungen geprägt [Stadtarchiv Chemnitz; Heidel, 2005]. Am 7. Dezember 1939 wurde er nach einer Denunziation in Gewahrsam genommen – ein schicksalhafter Tag, der eine Kette von widrigen Ereignissen in Gang setzte. Der Verhaftung folgte ein Gerichtsverfahren mit dem zentralen Anklagepunkt der „staatsfeindlichen Äußerungen“. Offenbar hatte er in der Öffentlichkeit kritische Aussagen zum Nationalsozialismus oder dessen Repräsentanten getätigt – die genauen Geschehnisse liegen im Dunkeln. Fünf Monate später – am 21. Mai 1940 – legte das Sondergericht beim Landgericht Dresden das Strafmaß fest: Friedrich Walter Rank wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Seine Haftstrafe saß er in verschiedenen Gefängnissen ab, darunter Chemnitz, Dresden und Bautzen. Im März 1943 wurde er wieder entlassen. Entrechtung und Entzug der Promotion Doch Rank musste nicht nur jene Gefängnisstrafe hinnehmen, auch in beruflicher Hinsicht sah er sich einer weitgehenden Entrechtung ausgesetzt: Im September 1940 wurde ihm der Doktortitel entzogen. Hierzu hieß es lapidar: „Entziehung der Promotion durch die Kommission der Universität Kiel vom 23.09.1940 mit der Begründung ‚Verurteilung wegen Heimtücke‘“ [Universitätsarchiv Erlangen; Wäldner, 2023]. Eine weitere Repression des Regimes erfuhr er am 26. Oktober 1940: An jenem Tag wurde Walter Rank seitens der Disziplinarkammer Chemnitz dauerhaft die Mitgliedschaft in der „Deutschen Zahnärzteschaft e. V.“ entzogen, womit er auch das Recht einbüßte, eine Praxis zu führen [Heidel, 2005]. So verdingte sich Walter Rank nach seiner Freilassung 1943 als Assistent des Zahnarztes Hans Fährmann, der in Chemnitz-Bernsdorf im Grenzgraben 35 eine Praxis führte [DZB, 1941; Heidel, 2005]. Der 1894 geborene und 1921 approbierte Zahnarzt hatte offenbar Mitleid mit Rank, denn es war gerade im „Dritten Reich“ nicht selbstverständlich, einen wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ und „Heimtücke“ verurteilten Kollegen anzustellen. Als er erneut denunziert wird, versteckt er sich Doch Rank geriet bald wieder ins Visier der des Regimes: Eine weitere Denunziation wegen politischer Äußerungen führte im Jahr 1944 zu seiner erneuten Verhaftung, nach der er für „wehrunwürdig“ erklärt wurde. Er hatte sich in der Zwischenzeit eine schwere Lungenentzündung zugezogen, weshalb er diesmal einem Strafverfahren entging, allerdings sollte er zu einem Strafbataillon nach Straßburg geschickt werden. Rank entzog sich dieser Strafmaßnahme, indem er bis Kriegsende untertauchte [Stadtarchiv Chemnitz; Heidel, 2005]. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 schien Ranks Zeit gekommen. Bis Anfang 1946 war er in leitender Funktion im städtischen Gesundheitsamt Chemnitz tätig, das nun zur Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) gehörte. Diese herausgehobene Position ermöglichte es ihm, zur Wiederherstellung und Organisation der medizinischen Versorgung der Stadt beizutragen. Doch er wurde noch vor März 1946 entlassen. Anschließend arbeitete er in der Poliklinik der sowjetischen Kommandantur Chemnitz; jene Poliklinik verfügte über eine Stomatologische Abteilung, in der Rank fortan zahnärztlich tätig war. Im April 1947 stellte Walter Rank einen Antrag auf Anerkennung als „Opfer des Faschismus“. Dieser wurde jedoch „aufgrund des moralischen Verhaltens in früheren Zeiten“ abgelehnt; so wurde Rank ein wichtiges Zeichen der Wiedergutmachung verwehrt [Stadtarchiv Chemnitz; Heidel, 2005]. Bei Rank finden sich somit Parallelen zu den in dieser Reihe vorgestellten Zahnärzten Rudolf Glass (1890–1966) und Paul Rentsch (1898–1943): Glass galt sowohl im „Dritten Reich“ als auch zuletzt in der DDR als politisch unliebsam [Groß, 2023d]. Ähnliches lässt sich für die Widerstandsgruppe „Europäische Union“ sagen, der Rentsch in der NSZeit angehört hatte. Auch diese antinationalistische Gruppierung geriet in der DDR in Misskredit, und in der Folge wurden auch ihre wichtigsten Repräsentanten – darunter Rentsch – weitgehend tabuisiert [Wellens/Groß, 2023]. Doch auch die kürzlich behandelten Regimegegner Hellmuth Elbrechter (1895–1971) und Emanuel Berghoff (1896–1974) fanden in der späteren zm114 Nr. 07, 01.04.2024, (564) Titelblatt der Dissertation von Rank (1933) Foto: Groß/Wellens Lebenslauf, enthalten in der Dissertation von Rank (ohne Seitenangabe) (1933) Foto: Groß/Wellens

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