Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

POLITIK | 17 len den 65- bis 74-Jährigen laut Studie heutzutage durchschnittlich nur noch 8,6 Zähne; 1997 waren es noch 17,6. Diesen Rückgang nannte Jordan „unerwartet“. Über viele Jahrzehnte hatte etwa jeder Fünfte der 65- bis 74-Jährigen keine eigenen Zähne mehr. Erst in der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie vor zehn Jahren hatte sich der Anteil zahnloser jüngerer Seniorinnen und Senioren auf zwölf Prozent halbiert. Und nun habe sich dieser Anteil erneut halbiert, so dass heute nur noch fünf Prozent dieser Altersgruppe zahnlos sind. „Das ist – auch weltweit betrachtet – ein absoluter Spitzenwert“, sagte Jordan. Mehr Zähne in der Mundhöhle erhöhten aber gleichzeitig das Risiko für andere altersbedingte orale Erkrankungen. Dies betreffe vor allem die Wurzelkaries und Parodontalerkrankungen. Aktuell weisen demnach 85 Prozent der jüngeren Seniorinnen und Senioren in Deutschland eine Parodontalerkrankung auf, sagte Jordan. Eine bessere Mundgesundheit senkt Kosten „Der Paradigmenwechsel von der kurativen zur präventiven Versorgung ist ein Erfolg. Die Ergebnisse der DMS • 6 zeigen, dass unsere konsequent auf Prävention ausgerichteten Versorgungskonzepte, die aus dem eigenen Berufsstand heraus entwickelt worden sind, wirken", betonte Martin Hendges, Vorsitzender des Vorstands der KZBV. Dies führe nicht nur zu einer verbesserten Mundgesundheit von Millionen von Menschen in Deutschland, sondern habe auch den Anteil an den Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für vertragszahnärztliche Leistungen in den vergangenen Jahren um mehr als 30 Prozent gesenkt. Die Ergebnisse belegen Hendges zufolge aber auch, dass Parodontitis immer noch eine Volkskrankheit und ein wesentlicher Einflussfaktor bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. 2021 habe die KZBV mit der präventionsorientierten Parodontitisbehandlungsstrecke eine Therapie in die Versorgung gebracht, die auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. „Dieser wichtige Ansatz wurde durch politische Entscheidungen in Form des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes mit seiner strikten Budgetierung schwer beschädigt“, kritisierte Hendges. Dem Kampf gegen Parodontitis sei so ein herber Rückschlag versetzt worden, der eine nachhaltige Behandlung nun deutlich erschwere. Er forderte die neue Bundesregierung auf, die Leistungen für die präventionsorientierte Parodontitistherapie als gesetzliche Früherkennungs- und Vorsorgeleistungen zu verankern und für die Versorgung die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. „Um die bislang erreichten Erfolge im Hinblick auf die Mundgesundheit zu erhalten und weiter auszubauen, benötigen die Praxen endlich wieder angemessene Rahmenbedingungen für ihre Arbeit“, betonte Hendges. Parodontitistherapie gesetzlich verankern „Heute ist ein schöner Tag für die Zahngesundheit“, ergänzte BZÄK-Präsident Prof. Dr. Christoph Benz. Die Ergebnisse der DMS • 6 seien ein Grund zur Freude für die Patienten- und die Zahnärzteschaft. Sie zeigten, wie nachhaltig die Kombination aus Gruppen- und Individualprophylaxe für eine gute Mundgesundheit sorge. „In allen Altersgruppen konnten die guten Daten gehalten oder sogar verbessert werden“, hob Benz hervor. Gerade bei Seniorinnen und Senioren bedeuteten weniger fehlende beziehungsweise mehr funktionstüchtige Zähne eine gesteigerte Lebensqualität. Die Studie zeige zudem erstmals, dass HerzKreislauf-Erkrankungen nicht nur mit Parodontitis, sondern auch mit Zahnlosigkeit zusammenhängen. Dies sei ein Auftrag für weitere interdisziplinäre Forschung in diesem Feld. Die DMS • 6 habe allerdings auch ergeben, dass von der zahnmedizinischen Prävention noch nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen profitieren. Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen würden von den Maßnahmen weniger gut erreicht. „Dies stellt eine Aufgabe für die Zahnärzteschaft dar, diese Gruppe noch mehr in den Fokus zu nehmen“, sagte Benz. ao zm115 Nr. 07, 01.04.2025, (523) Fotos: DMS • 6, zm/S. Rudat

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