Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

26 | ZAHNMEDIZIN PRAXISTIPPS MIT KOMPOSIT – TEIL 7 Kombinationstherapie aus indirekten und direkten Kompositveneers nach Zahntrauma Antonio Ciardo, Cornelia Frese Frontzahntraumata und Zahnverluste im Kindes- und Jugendalter stellen eine interdisziplinäre Herausforderung in der zahnmedizinischen Versorgung dar. Insbesondere im Frontzahnbereich erfordert die Therapieplanung eine enge Abstimmung zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen, um die bestmögliche Behandlungsoption zu wählen. Die unmittelbaren Folgen wie Lücken oder Asymmetrien können nicht nur ästhetische, sondern auch funktionelle und psychologische Auswirkungen für die jungen Patientinnen und Patienten haben. Ein 17-jähriger, allgemeinmedizinisch gesunder Patient stellt sich mit dem Wunsch nach einer ästhetischen Verbesserung im Frontzahnbereich des Oberkiefers vor. Anlass ist der traumatische Verlust der mittleren Inzisiven sechs Jahre zuvor. Vorgeschichte Im Alter von elf Jahren erlitt der Patient ein Frontzahntrauma mit Avulsion der Zähne 11 und 21. Diese wurden zunächst replantiert und endodontisch behandelt. Aufgrund fortschreitender Resorptionen und einer infausten Prognose erfolgte jedoch etwa eineinhalb Jahre später die Extraktion. Mit dem Ziel eines späteren Lückenschlusses durch Mesialisierung wurde die Exfoliation der Milchzähne 53 und 63 abgewartet, um den natürlichen Mesialtrend der Eckzähne beim Durchbruch zu nutzen. Die entstandene Lücke in regio 011/021 wurde zunächst mit einer Interimsprothese versorgt, die regelmäßig approximal reduziert wurde, um die natürliche Mesialbewegung der seitlichen Schneidezähne zu fördern. Nach Durchbruch aller bleibenden Zähne wurde alio loco eine kieferorthopädische Therapie zur Mesialisierung eingeleitet. Im Verlauf wurden die Zähne 12 und 22 restaurativ mit Komposit leicht verbreitert. Außerdem wurde ein bestehender Kreuzbiss auf der rechten Seite korrigiert. Ausgangssituation Bei der Erstvorstellung zeigt der Patient ein ausgeprägtes Diastema mediale sowie Restlücken und Asymmetrien im Oberkieferfrontzahnbereich nach kieferorthopädischer Therapie alio loco (Abbildung 1). Aufgrund mangelnder Adhärenz konnten nicht alle kieferorthopädischen Behandlungsziele erreicht werden, was insbesondere aus ästhetischer Sicht Herausforderungen für den restaurativen Lückenschluss mit sich bringt. Erschwerende Faktoren sind die Verschiebung der Mittellinie, die Achsenneigung der Zähne 13, 12, 22 und 23 sowie die inhomogene Lückenverteilung mit ungleich verzm115 Nr. 07, 01.04.2025, (532) Abb. 1: In der Frontalansicht (a) und im Situationsmodell (b) zeigen sich nach traumatischem Verlust der mittleren Inzisiven und Mesialisierung der Zähne ein ausgeprägtes Diastema mediale sowie Restlücken und Asymmetrien im Oberkieferfrontzahnbereich. Subjektiv stört das kindliche Erscheinungsbild der lückig stehenden, klein wirkenden seitlichen Schneidezähne. Foto: Antonio Ciardo, UKHD a b ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden.

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