Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

30 | ZAHNMEDIZIN rapie sind die Versorgungen in situ, intakt, und das Parodontium zeigt keine entzündlichen Veränderungen. Trotz Anfertigung der Retentionsschienen fällt ein beginnendes Diastema mediale auf (Abbildung 4). Der Patient gibt auf Nachfrage an, die Schienen nicht regelmäßig getragen zu haben. Ihm wird die Möglichkeit eines Diastemaschlusses durch eine erneute Zahnformkorrektur angeboten. Da ihn die entstandene Lücke jedoch subjektiv nicht stört, entscheidet er sich zunächst gegen eine restaurative Korrektur. Synopse Dieser Fall veranschaulicht die komplexen Herausforderungen, die bei der zahnärztlichen Rehabilitation nach einem Frontzahntrauma im Kindes- und Jugendalter zu bewältigen sind. Ziel der Behandlung ist einerseits die funktionelle Wiederherstellung, um eine langfristige Stabilität der Zahnpositionen und -stellungen sowie eine uneingeschränkte Kaufunktion und Phonetik zu gewährleisten. Gleichzeitig spielt die Erwartung an ästhetisch ansprechende Behandlungsergebnisse eine zentrale Rolle in der Versorgung. Wachstumsbedingte Veränderungen des Kiefers und des dentofazialen Erscheinungsbildes stellen hohe Anforderungen an die Auswahl der geeigneten Therapieoptionen und Materialien. Aufgrund des jungen Patientenalters wurde ein minimalinvasives, präventionsorientiertes Vorgehen mit Kompositmaterialien gewählt. Die Möglichkeit zur Reparatur oder Umarbeitung dieser Restaurationen war ein entscheidender Faktor, da das fortschreitende Wachstum des Patienten berücksichtigt werden musste und spätere Korrekturen – beispielsweise ein erneuter Diastemaschluss zwischen den Zähnen 11 und 21 – möglich bleiben sollten. Das indirekte Vorgehen wurde aufgrund der unterschiedlich großen Lücken sowie der individuellen Rot-WeißÄsthetik im Bereich der Zähne 12 und 22 gewählt und konnte problemlos mit den direkten Kompositrestaurationen kombiniert werden. Die Evidenz zu indirekten Kompositveneers im Frontzahnbereich ist bislang begrenzt. Eine systematische zm115 Nr. 07, 01.04.2025, (536) Abb. 4: Die restaurative Therapie der seitlichen Schneidezähne, Eckzähne und ersten Prämolaren im Oberkiefer führte zu einem altersgerechten und harmonischen dentofazialen Erscheinungsbild. Frontalansicht (a) vor, (b) sechs Monate und (c) drei Jahre nach restaurativer Therapie. Foto: a c b

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