Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

34 | GESELLSCHAFT MIT DEM DENTALMUSEUM DURCH 2025 – TEIL 6 Zwei in eins – der Papageienschnabel Es gab und gibt immer mal wieder Erfindungen, die am Wegesrand der Geschichte liegen bleiben. Zu dick, zu schwer, zu teuer, unhandlich. Das gilt ebenso für zahnmedizinische Instrumente – doch nicht alle sind spurlos verschwunden. Einige liegen im Dentalmuseum im Zschadraß in der Vitrine. Wie dieser Zahnschlüssel mit Papageienschnabel. Das war wohl schon immer so: Wenn etwas aussieht wie etwas anderes, dann wird es auch danach benannt. Der Papageienschnabel hat es als Clianthus puniceus in die botanische Nomenklatur geschafft, die Blüten sind gebogen wie der Schnabel. Und in der Fliesenleger-Kunst ist der Papageienschnabel (die Papageienzange) ein spezielles Werkzeug, um aus Fliesen Löcher herauszubrechen oder auszuhebeln, mit Papageienschnabelförmigen Greifbacken. Das große Internetlexikon formuliert Zahnmedizinerschön, „es ist möglich, Löcher vom Fliesenrand her auszuknabbern“. Derselbe Gedanke wird Pate gestanden haben beim „Zahnschlüssel mit Papageienschnabel“. Der kräftige, markant gebogene, nach unten spitz zulaufende und gelenkige Oberschnabel des Papageis, mit dem die Tiere gut zupacken und kraftvoll zubeißen können. Eine Eigenkonstruktion eines Bastlers Wir versetzen uns in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Zahnschlüssel hat sich als Extraktionsinstrument Nummer eins unter Dentisten und Zahnmedizinern etabliert. Es ist die Phase der Tüftler, die die Schlagkraft und das Einsatzspektrum des Werkzeugs erhöhen wollen: besser hebeln, gezielter abschneiden, exakter ansetzen. Konkret war das hier ein Versuch, die Kombination aus Zahnschlüssel und Seitenhebel zu optimieren. Doch der Papageienschnabel hat sich – ähnlich etwa der Davidsohn-Zange wenige Jahre später, die die natürlichen Zahnkronen abtrennen sollte, um den Wurzelrest im Kiefer zu belassen, so dass dieser nicht atrophieren oder ein Ein Papageienschnabel, der die natürliche Zahnkrone fest „im Schnabel“ hält, kombiniert mit der Drehbewegung eines Zahnschlüssels – einmalig in der Instrumentengeschichte der Zahnheilkunde zm115 Nr. 07, 01.04.2025, (540)

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