Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

38 | TITEL zwinkern kann man dazu sagen: „Mach mal den Mund zu und die Ohren auf. Hallo, hallo, sind deine Ohren auf? So laut wird das jetzt. Wir feiern jetzt eine große Wasserparty in deinem Mund!“ So wird die Situation entdramatisiert und das Kind kann sich besser auf die Behandlung einstellen, bevor es losgeht [Brendebach, 2021]. „Sag dem Zahn mal Bescheid, das drückt da jetzt“ Komplexe medizinische Begriffe können Kinder abschrecken und Angst bereiten. Schon ein Wort wie beispielsweise die „Spritze, die mal piekst“ kann über das Gelingen oder Scheitern der Behandlung entscheiden [Kant, 2009]. Aus diesem Grund gibt es in manchen Praxen „die Spritze“ nur für Erwachsene. Bei Kindern werden stattdessen Zähne „schlafen gelegt“ oder es werden „Luftballons im Mund aufgepustet“. Durch die Ankündigung „Sag deinem Zahn mal Bescheid, das drückt da jetzt – nicht, dass er sich erschreckt“ bleibt man ehrlich und bereitet das Kind auf das unangenehme Gefühl vor, ohne zu drastische Erwartungen zu schüren. Wenn die Anästhesie im Anschluss verdeckt appliziert wird, reagieren viele Kinder unbeeindruckt (Abbildung 2). Manchmal, wenn man dann leise ist, hört man sogar einen Zahn schnarchen. Instrumente und Materialien können so in eine fantasievolle Geschichte eingebunden werden. Eine klassische Toffelmeyermatrize (gerne mit einem schmalen Band für die Milchzähne) wird beispielsweise zum Delfin: „Jetzt kommt ein Delfin auf deinen Zahn gesprungen. Der krallt sich jetzt ganz dolle an deinem Zahn fest. Das merkt man manchmal noch. Dann kriegt er noch ein Spielzeug (Keil) und dann spielt er mit etwas Stinkekleber (Bonding) und Knete (Füllung).“ Diese kindgerechten Beschreibungen lenken die Aufmerksamkeit vom Unbekannten ab und wecken die Vorstellungskraft. Für manche Kinder wird die Behandlung damit sogar zu einem positiv-aufregenden Erlebnis. Ein Monitor mit Kinderfilmen unter der Decke und Bluetooth-Kopfhörern kann ebenfalls helfen, den Fokus des Kindes auf etwas Angenehmes zu lenken (Abbildung 3). Kinder können durch die richtige Ablenkung schnell in eine Art hypnotischen Zustand verfallen und so fokussiert sein, dass sie kaum noch etwas anderes wahrnehmen. Viele Eltern wünschen sich im Übrigen häufig eine ähnliche Form der Behandlung. Entscheidend ist, dass jede Form von Ablenkung in der Kinderbehandlung vorteilhaft ist [Jilg et al., 2010]. Kinder lieben Lob – es motiviert sie, weiterhin kooperativ zu sein. Egal ob das Kind ruhig sitzen bleibt, tapfer den Mund aufmacht oder einfach nur aufmerksam zuhört, jede positive Handlung verdient Anerkennung. Ein Satz wie „Du bekommst den Mund ja weit auf, das ist ja cool!“ stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein des Kindes, sondern sorgt auch dafür, dass der Mund noch einige weitere Millimeter aufgeht. „Du machst das viel besser als manche Erwachsene!“ ist ebenfalls eine Motivation, das positive Verhalten weiterhin zu zeigen. In der Kinderzahnheilkunde sollte schnell und effektiv behandelt werden, denn Kinder haben nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne. Eine Faustregel besagt, dass man das Alter mal zwei nehmen kann, um die Minutenzahl zu erhalten, die ein Kind behandelt werden kann. Durch die oben beschriebenen hypnotischen Methoden ist dies in Einzelfällen dehnbar. Eine Lachgassedierung kann weiterhin dazu beitragen, dass längere Behandlungen möglich werden. Wichtig ist jedoch, dass man direkt in die Therapie einsteigt, diese zügig durchführt und keine langen „Überredungsversuche“ startet. Das Kind muss selbst kooperieren wollen. Dies zuschaffen, macht den Reiz in der Kinderzahnheilkunde aus. Sollte es trotz aller Bemühen nicht gelingen, so hat man in der Regel auch zm115 Nr. 07, 01.04.2025, (544) Dr. med. dent. Miriam Tienken Zahnärztin Foto: Foto Gehrig Abb. 3: Ablenkung durch einen Fernseher an der Decke, verbunden mit BluetoothKopfhörern Abb. 2: Entspannte Anästhesie durch die Macht der Sprache (gute Vorbereitung) und Ablenkung

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