Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

46 | ZAHNMEDIZIN zm115 Nr. 07, 01.04.2025, (552) AUS DER WISSENSCHAFT Welche Folgekosten haben Implantate? Florian Beuer Implantatprothetische Versorgungen sind initial oft teuer. Dabei wird häufig übersehen, dass auch Geld für die „Wartung“ und Pflege anfällt. Bisher gibt es jedoch nur wenige belastbare Daten darüber, mit welchen langfristigen Kosten Patienten rechnen müssen. Ein Forscherteam aus der Schweiz hat sich jetzt mit dieser Frage beschäftigt. Die Implantation künstlicher Pfeiler zur festsitzenden Restauration verlorener Zähne ist mittlerweile eine Standardtherapie. Durch die Optimierung der Implantathardware, der prothetischen Versorgungen und der Behandlungsprotokolle gelten implantatprothetische Versorgungen als sichere Restaurationsoption. Allerdings sind Implantate im Vergleich zu natürlichen Zähnen anfälliger für Komplikationen. Insbesondere das Implantatlager kann von Entzündungen des Hart- und Weichgewebes betroffen sein. Viele Studien beschreiben die Überlebens- und Erfolgsraten von Implantaten sowie auftretende Komplikationen und deren Behandlung. Die tatsächlichen langfristigen Kosten werden dabei jedoch selten betrachtet. Methoden In die prospektive, randomisierte klinische Studie wurden 64 Patienten aufgenommen und zufällig auf zwei verschiedene Implantatsysteme aufgeteilt: Astra Tech Osseospeed (Dentsply Sirona Implants) und Straumann Bone Level Implants, SLActive (Straumann AG). Patienten mit Taschensondierungstiefen von mehr als 4 mm wurden nicht in die Studie aufgenommen. Die Implantation erfolgte zwischen Februar und Dezember 2009 nach den Herstellerangaben. Falls erforderlich, wurde eine Knochenaugmentation mittels Guided Bone Regeneration (GBR) durchgeführt. Die festsitzenden prothetischen Versorgungen wurden je nach Präferenz des Behandlers entweder verschraubt oder zementiert. Alle Patienten wurden jährlich zu Erhaltungshygienesitzungen einbestellt, wobei neun Prozent zwei Sitzungen pro Jahr benötigten. Kontrolluntersuchungen mit Röntgenaufnahmen, Taschensondierungstiefenmessungen (am Implantat und an den Nachbarzähnen), der Erhebung von Blutungsneigung und Plaqueaufkommen wurden nach einem, drei, fünf, acht und zehn Jahren durchgeführt. Alle aufgetretenen biologischen und technischen Komplikationen wurden behandelt, wobei Zeitaufwand und Kosten erfasst wurden. Die Kostenberechnung erfolgte nach dem Schweizer Honorierungssystem und wurde in Relation zu den initialen Therapiekosten gesetzt. Zu Behandlungsbeginn waren 17 Patientinnen und 16 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 55 Jahren in der Gruppe Astra sowie 21 Patientinnen und 10 Patienten mit einem mittleren Alter von 54,3 Jahren in der Gruppe Straumann. Von den 97 inserierten Implantaten befanden sich 68 im Ober- und 29 im Unterkiefer. Von den initial insgesamt 64 Patienten (33 Gruppe Astra, 31 Gruppe Straumann) mit 97 Implantaten konnten nach zehn Jahren noch 43 Patienten (23 Verblendkeramikfraktur Foto: Charité – Universitätsmedizin Univ.-Prof. Dr. Florian Beuer, MME Direktor der Abteilung für Zahnärztliche Prothetik, Funktionslehre und Alterszahnmedizin, Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Charité – Universitätsmedizin Berlin Aßmannshauser Str. 4-6, 14197 Berlin florian.beuer@charite.de Foto: Privat

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