Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

zm115 Nr. 07, 01.04.2025, (558) 52 | ZAHNMEDIZIN FREIBURGER FORSCHER PUBLIZIEREN ERSTBESCHREIBUNG Aus „Radixoralia hellwigii“ wurde „Dentiradicibacter hellwigii“ Forscherinnen und Forscher der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg haben vor rund einem Jahr in einer Probe aus dem Wurzelkanal einer Patientin eine neue Bakteriengattung entdeckt – jetzt wurde die Erstbeschreibung publiziert. Im „International Journal of systematic and evolutionary Microbiology“ haben die Forschenden der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie (Leitung Prof. Dr. Fabian Cieplik) und des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene (Leitung Prof. Dr. Georg Häcker) an der AlbertLudwigs-Universität Freiburg ihre Neuentdeckung veröffentlicht: „Dentiradicibacter hellwigii“. Erstbeschreibung der Gattung Dentiradicibacter Dentiradicibacter hellwigii ist Gramnegativ, anaerob und beweglich. Bevorzugt wächst es in Ko-Kulturen mit anderen Bakterien und kann Zucker wie Glukose verwerten. Bei dieser neuen Entdeckung handelt es sich nicht nur um eine neue Art, sondern sogar um die Erstbeschreibung der Gattung Dentiradicibacter, zu der weitere Arten in der Mundhöhle gehören könnten. Dies zeigt den Forschern zufolge die hohe Diversität der in der Mundhöhle vorkommenden Mikroorganismen. Die weitere Forschung wird zeigen, ob das neu beschriebene Bakterium eine spezifische Rolle in Entzündungsprozessen spielen könnte, wie sie auch bei Wurzelkanalinfektionen auftreten. „Wir haben hier ein Bakterium, das sich offenbar besonders wohl in infizierten Wurzelkanälen fühlt, aber nicht unbedingt der Übeltäter ist“, erklärt Prof. Dr. Ali Al-Ahmad, Leiter des Bereichs Orale Mikrobiologie der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie. Probe aus dem Wurzelkanal isoliert Zum Hintergrund: Vor gut einem Jahr berichtete die Freiburger Mikrobiologin Dr. Sibylle Bartsch auf der 56. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Grundlagenforschung (AfG) in der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) erstmalsüberdieEntdeckungdesneuen Bakteriums. Auf Initiative von Prof. Al-Ahmad, der zusammen mit der Erstautorin Bartsch sowie Annette Wittmer und Prof. Häcker hauptverantwortlich für die Isolierung des neuen Bakteriums war, sollte der neue Mikroorganismus nach dem 2023 emeritierten Direktor der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie Freiburg und wissenschaftlichen Beirat der zm, Prof. Dr. Elmar Hellwig, benannt werden. Als Name wurde Radixoralia hellwigii vorgeschlagen. Radixoralia bezog sich dabei auf den Fundort des Bakteriums, das aus Proben eines Wurzelkanals isoliert wurde (Radix = Wurzel). Im Vorfeld der Veröffentlichung musste der Name jedoch noch den internationalen Benennungskonventionen angepasst werden: Aus „Radixoralia hellwigii“ wurde nun „Dentiradicibacter hellwigii“. br Bartsch S, Wittmer A, Weber AK, Neumann-Schaal M, Wolf J, Gronow S, Turnbull JD, Tennert C, Häcker G, Cieplik F, Al-Ahmad A. Dentiradicibacter hellwigii gen. nov., sp. nov., isolated from a secondary infected root canal in the human oral cavity. Int J Syst Evol Microbiol. 2025 Mar;75(3). doi: 10.1099/ ijsem.0.006690. PMID: 40042984. Das neuentdeckte Bakterium ist stäbchenförmig und nur etwa 2 Mikrometer lang – benannt wurde es nach dem kürzlich emeritierten Direktor der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie Freiburg und wissenschaftlichen Beirat der zm, Prof. Dr. Elmar Hellwig. Foto: Bartsch et al. (2025)

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