Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

54 | PRAXIS zm115 Nr. 07, 01.04.2025, (560) INTERVIEW MIT KOMMUNIKATIONSTRAINER JOHANNES KOCHS „Seien Sie sich Ihrer Ausstrahlung bewusst“ Dax-Konzerne gehören genauso zu den Auftraggebern von Kommunikationstrainer Johannes Kochs wie Ministerien und Universitäten. In der Charité-Fortbildungsakademie schult er auch Mediziner, wie sie mit Körper und Stimme souveräner auftreten. Uns verrät er hier, warum Zahnärztinnen und Zahnärzte an ihrer Körpersprache arbeiten sollten, selbst wenn die wissenschaftliche Evidenz gering ist. Foto: Herr Kochs, warum sollten Zahnärzte gezielt Körpersprache einsetzen? Johannes Kochs: Eine gezielt genutzte Körpersprache zusammen mit dem bewussten Einsatz von Sprechen und Stimme kann Vertrauen gegenüber den Patienten aufbauen. Wie sicher sie sich fühlen, wie kompetent sie die Behandelnden wahrnehmen, beruht wesentlich auf der Art und Weise, wie sich Zahnärztinnen und Zahnärzte nonverbal verhalten. Sollten Zahnärzte umgekehrt auch die Körpersprache der Patienten besser deuten lernen? Der Vorteil für die Diagnose dürfte in der besseren Anamnese liegen. Wer geübt darin ist, die Körpersprache von anderen zu beobachten und zu interpretieren, nimmt auch die feineren Nuancen auf. Gibt es etwas, was der Patient zwar bejaht oder verneint, aber der Körper sendet gegenteilige Signale? Scham könnte dafür ein Auslöser sein. Oder die behandelte Person zeigt nonverbale Signale, die sich als Angst deuten lassen. Nur wenn diese überhaupt wahrgenommen und richtig interpretiert werden, kann man darauf eingehen. Ist die viel zitierte Erkenntnis des USPsychologen Albert Mehrabian, wonach Körpersprache wichtiger ist als der Inhalt des Gesagten, denn wirklich falsch? Ich halte die Mehrabian-Studie aufgrund ihres Aufbaus und Alters für ungeeignet. Sie behandelt die Kongruenz von Gesagtem und verbaler oder nonverbaler Äußerung. Die Quintessenz, dass das Gesagte wichtiger sei als der Inhalt, lässt sich daraus nicht generalisiert ableiten. Erst recht nicht mit den ewig wieder zitierten Prozentzahlen. Auch Mehrabian selbst hat dies so klargestellt. Das über Jahrzehnte aber mit falschem Kontext interpretiert und zitiert wird, liegt wohl in dem Wunsch begründet, so etwas zentrales und gleichzeitig unglaublich facettenreiches wie die Körpersprache wissenschaftlich belegen zu können. Was sind die wichtigsten Regeln bei der Körpersprache, auf die Zahnärztinnen und Zahnärzte achten sollten? Seien Sie sich Ihrer körpersprachlichen Ausstrahlung bewusst und setzen Sie diese gezielt ein. Weg von der Wirkung „Halbgott in Weiß“ hin zum Behandelnden, der seine Patienten und Patientinnen mit ihren Sorgen und Nöten ernst nimmt und ihnen Sicherheit gibt. Der Fels in der Brandung. Mit offenem Blickkontakt und einem freundlichen Lächeln geben Sie dem Patienten Sicherheit und schaffen eine empathische Ebene. Nutzen Sie eine zugewandte und offene Körperhaltung, aktive Zuhörsignale und eine empathische Mimik. Mit ruhigen, klaren und gezielten Bewegungen signalisieren Sie Zuversicht in Ihr eigenes Können und wirken beruhigend. Das beinhaltet klare, aber eher zurückhaltende Gesten. Dies Verhalten gilt genauso im Umgang mit ihren Mitarbeitenden, das ja von den Patientinnen und Patienten beobachtet wird und mit in deren Wahrnehmung einfließt. Und seien Sie aufmerksam für die Körpersprache Ihrer Patientinnen und Patienten. Wenn Sie Mimik und Körper aufmerksamer beobachten und damit lesen lernen, können Sie abgleichen, ob diese mit dem Gesagten übereinstimmen oder nicht. Was spricht dafür, sich intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen, wenn die Evidenz für einen direkten positiven Effekt auf den Outcome schwach ist? Die eigenen, auch auf Körpersprache beruhenden Erfahrungen in zig anderen Situationen. Wenn wir Menschen einschätzen, mit ihnen zusammenJohannes Kochs ist Master of Speech Communication & Rhetoric und Schauspieler und arbeitet als Coach und Trainer für Rhetorik und Kommunikation. Foto: privat ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden.

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