64 | ZAHNMEDIZIN DER BESONDERE FALL MIT CME Enukleation einer nasopalatinalen Zyste und Augmentation des knöchernen Defekts Helena Albrecht, Daniel Groisman Die nasopalatinale Zyste (Nasopalatine Duct Cyst – NPDC) ist die häufigste nicht-odontogene Zyste des Oberkiefers. In diesem Fall stellte sich der Patient nach einem gescheiterten Entfernungsversuch alio loco bei uns zur Zystektomie vor. Der zystische Befund konnte unter Intubationsnarkose vollständig entfernt werden. Nach großzügiger Mobilisation der Gaumenschleimhaut und des Vestibulums sowie nach Augmentation des knöchernen Defekts durch mehrere Komponenten konnte das Operationsgebiet spannungsfrei verschlossen werden. Ein 64-jähriger Patient stellte sich zur Enukleation einer zystischen Läsion in der Maxilla, mit Beteiligung nach enoral durch einen zentral im anterioren Gaumen gelegenen Fistelgang, vor. Der Patient trägt im Oberkiefer eine Modellgussprothese, die Oberkieferfront fehlt. Bereits Ende 2024 war alio loco ein Entfernungsversuch unternommen worden, der jedoch aufgrund einer starken intraoperativen Blutung abgebrochen werden musste. Die geplante Operation erfolgte unter Intubationsnarkose – mit postoperativem stationärem Aufenthalt zur Blutungskontrolle und Schwellungsprophylaxe. Eine Verbandsplatte zur postoperativen Anpassung und Eingliederung war im Vorfeld abgeformt und hergestellt worden. Zum Zeitpunkt der Vorstellung dehnte sich die Zyste transversal 16 mm, sagittal 9 mm und axial 12 mm aus, wie in der präoperativ alio loco angefertigten radiologischen Bildgebung erkennbar ist (Abbildungen 2 und3). Therapie Die Schnittführung verlief von dem rechten bis zum linken Tuber maxillae. Durch vorsichtiges, streng subperiostales Abpräparieren der Schleimhaut des harten Gaumens konnte eine gute Übersicht über den Befund gewährt werden (Abbildung 4). Nach Enukleation der Zyste zeigte sich der Defekt vollständig knöchern begrenzt, eine Perforation zur Nase lag nicht vor (Abbildung 5). Um die Regeneration zu beschleunigen, wurde der Defekt mit Corticalis Granulat der Größe 0,212–0,85 mm (DIZG, Berlin, Deutschland), gemischt mit autologem Knochen und PRGF, hergestellt nach der ENDORET® Technologie (BTI Deutschland GmbH, Pforzheim, Deutschland), aufgefüllt. Die sogenannte geführte Knochenregeneration (Guided Bone Regeneration – GBR) schafft ein stabiles Widerlager, das das regenerative Potenzial autolog gewonnenen Knochens nutzt, die knöcherne Regeneration in der unbelasteten Region des anterioren Gaumens fördert und einen stabilen Untergrund für den Wundverschluss bildet. Das Augmentat aus allogenem und autologem Knochen wurde mit einer resorbierbaren Bio-Gide-Membran (Geistlich Pharma AG Wolhusen, Kanton Luzern, Schweiz) sowie einer PRGF-Fibrin-Membran (BTI Deutschland GmbH, Pforzheim, Deutschland) abgedeckt. Diese dienten sowohl zur Stabilisierung der Weichgewebsverhältnisse als auch als Schutzbarriere gegen eine bakterielle Kontamination, um optimale Bedingungen für die knöcherne und die weichgewebige RegeneAbb. 1: Makroskopisch zeigt sich die nasopalatinale Zyste (NPDC) als rundliche bis ovaläre, weichelastische, teils fluktuierende Zyste. Sie ist von einer dünnen Kapsel umgeben und enthält eine klare bis gelbliche Flüssigkeit. Das Lumen kann gelegentlich auch Schleim oder seröses Exsudat enthalten. Die Größe variiert, typischerweise misst sie zwischen 0,5 und 2 cm. zm115 Nr. 07, 01.04.2025, (570) ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden.
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