Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

ZAHNMEDIZIN | 67 zm115 Nr. 07, 01.04.2025, (573) verschlossen worden. Zur postoperativen Adaptation der Gaumenschleimhaut und Hämatomprophylaxe sowie zum Schutz der Wundfläche wurde die präoperativ angefertigte Verbandsplatte eingegliedert. Diskussion Die Entfernung und vor allem der spannungsfreie Wundverschluss einer nasopalatinalen Zyste können eine Herausforderung darstellen. Wenngleich sie lange Zeit unbemerkt und asymptomatisch sein kann, so kann es auch zu einer Infektion und spontanen Perforation der Gaumenschleimhaut kommen, was dazu führt, dass der Befund entfernt werden muss [Anneroth et al., 1986; Swanson et al., 1991; Vasconcelos et al., 1999]. Entwicklungsgeschichtlich stammt die NPDC aus epithelialen Resten des Ductus nasopalatinus, der während der Embryonalentwicklung paarig vorliegt und die Nasenhöhle mit der vorderen Maxilla verbindet. Während der Entwicklung des Gaumens, kommt es durch die Verlagerung der Zunge in der siebten Schwangerschaftswoche zum Verschluss des harten Gaumens, indem der primäre Gaumen (Teil des Zwischenkiefersegments) mit den beiden Gaumensegmenten verschmilzt – hierbei kommt es normalerweise zur Rückbildung des Ductus nasopalatinus [Paulsen et al., 2023; Suter et al., 2011; Thiele und Schilling, 2024]. Obwohl die nasopalatinale Zyste typischerweise asymptomatisch ist, kann sie durch ihr spontan auftretendes Wachstum zu einem erheblichen Defekt in der anterioren Maxilla führen und zudem Symptome wie eine Vorwölbung des Gaumens oder ein Druckgefühl verursachen [Main, 1970]. Röntgenologisch zeigt sie sich als eine gut begrenzte, birnen- oder herzförmige hypodense Läsion, die je nach Ausprägung schon im OPG gut erkennbar sein kann [Dedhia et al., 2013]. Die chirurgische Entfernung stellt die Therapie der Wahl dar. Eine NPDC wird häufig zufällig entdeckt, dies kann zum Beispiel im Rahmen einer dreidimensionalen Diagnostik zur Implantatplanung geschehen. Als Behandler ist es wichtig, die NPDC von einer physiologischen Erweiterung des Canalis incisivus abzugrenzen. Die Kanalerweiterung stellt eine anatomische Variante des Canalis incisivus dar. Dieser enthält paarig angelegt die A. sphenopalatina, den N. nasopalatinus und den Ductus nasopalatinus. Letzterer atrophiert normalerweise während der embryonalen Entwicklung. Radiologisch zeigt sich eine Kanalerweiterung meist als schmale, symmetrische Struktur im Bereich des Canalis incisivus. Der Canalis incisivus hat in der Regel einen Durchmesser von etwa 2 bis maximal 6 mm [Aranha Neto et al., 2024; Cinn et al., 2009]. Zur Differenzialdiagnostik können – wenn vorhanden – auch alte Röntgenaufnahmen herangezogen werden, um zu untersuchen, ob ein expansives Wachstum vorliegt. Im Gegensatz zum erweiterten Kanal handelt es sich bei der NPDC um eine echte pathologische Formation. Durch ihr Wachstum kann sie funktionelle und strukturelle Probleme verursachen. Die Zyste erscheint in der radiologischen Bildgebung als runde, gut abgegrenzte, radioluzente Struktur. In fortgeschrittenen Stadien kann sie Abb. 8: Vestibuläre Mobilisation des Mukoperiostlappens zur Vorbereitung eines spannungsfreien Wundverschlusses Abb. 9: Spannungsfreier Wundverschluss mit horizontalen U-Nähten als Haltenaht sowie Einzelknopfnähten zur Adaptation der Wundränder und inderdentalen Papillennähten mit Ethylon 5/0 DER BESONDERE FALL MIT CME Univ.-Prof. Dr. Dr. Peer W. Kämmerer ist langjähriger Autor und seit 2021 wissenschaftlicher Beirat der zm. In Zusammenarbeit mit der zm-Redaktion betreut er die Rubrik „Der besondere Fall mit CME“, in der wir bevorzugt das präsentieren, was über den berühmten „Tellerrand“ der alltäglichen Praxis hinausreicht. Interessierte Autorinnen und Autoren, die besondere Patientenfälle behandelt und gut dokumentiert haben, sind herzlich eingeladen, diese bei der Redaktion der zm einzureichen. Univ.-Prof. Dr. Dr. Peer W. Kämmerer, MA, FEBOMFS Leitender Oberarzt/ Stellvertr. Klinikdirektor Universitätsmedizin Mainz Foto: Kämmerer

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