zm115 Nr. 07, 01.04.2025, (574) 68 | ZAHNMEDIZIN eine deutliche Expansionstendenz aufweisen, die sogar zu einer Perforation in die Nasenhaupthöhle führen kann. Daher sind eine präzise Diagnosestellung und eine entsprechende Therapie essenziell für den Patienten. Ein klinisch relevantes Problem stellt die meist asymptomatische nasopalatinale Zyste insbesondere bei der implantologischen Rehabilitation des anterioren Oberkiefers dar. Durch ihr expansives Wachstum kann es zu einer deutlichen Reduktion des vorhandenen Knochenangebots kommen. Die Resorption des knöchernen Gaumens sowie des palatinalen Anteils des Alveolarfortsatzes kann auch die Stabilität und die Prognose von vorhandenen Implantaten negativ beeinflussen. Ohne ausreichendes Knochenangebot ist eine Implantation nicht möglich, was zusätzliche Augmentationsverfahren erforderlich macht und die Behandlungsdauer erheblich verlängert. Es gibt auch Fallberichte über eine Induktion des Wachstums der NPDC nach Implantation [Al-Shamiri et al., 2016; Casado et al., 2008]. Bei der Enukleation der NPDC kann es durch die Verletzung der Aa. sphenopalatinae, die paarig durch den Canalis incisivus verlaufen, zu einer starken Blutung kommen – wie es laut Patient beim alio loco durchgeführten Entfernungsversuch der Fall war. Zusätzlich können eine fehlerhafte Schnittführung oder eine Fistelbildung der NPDC infolge einer sekundären Infektion zu Perforationen der Gaumenschleimhaut und zu einer Dehiszenz führen, was den spannungsfreien Wundverschluss erheblich erschwert. Grundsätzlich sollte der Wundverschluss nie direkt über dem Befund erfolgen, sondern möglichst über einer stabilen knöchernen Unterlage, um eine sichere Heilung zu gewährleisten. Deshalb sollte die Schnittführung nicht im Punctum maximum des Befunds, der die Gaumenschleimhaut vorwölben kann, liegen, sondern eine marginale Schnittführung erfolgen. Um eine vorhandene Dehiszenz am Gaumen zu verschließen, ist eine ausgedehnte Mobilisation der Gaumenschleimhaut – wie in diesem Fall – notwendig. Niedergelassene Kollegen sollten dabei beachten, dass es bei der Präparation der Gaumenschleimhaut aufgrund der Lagebeziehung zu den beiden Aa. palatinae majores ebenfalls zu erheblichen Blutungsereignissen intraoperativ kommen kann, was nicht nur die Sicht im Operationsfeld erschwert, sondern auch postoperative Komplikationen wie Nachblutungen oder eine Hämatombildung begünstigt. Liegt keine Dehiszenz vor, kann in vielen Fällen auf eine ausgedehnte Präparation verzichtet werden, wodurch das Blutungsrisiko reduziert wird. Eine Verletzung den Aa. sphenopalatinae ist bei der sorgfältigen Enukleation der NPDC allerdings sehr wahrscheinlich. Die Stärke der Blutung aus den Aa. sphenopalatinae variiert und kann unter Umständen sehr stark sein. Darauf sollte man vorbereitet sein und geeignete Maßnahmen wie Koagulation zur Blutstillung einsetzen. Die Schleimhaut des harten Gaumens ist stark keratinisiert und wenig elastisch, was eine Mobilisation der Lappen für einen spannungsfreien Verschluss weiter erschwert. Anders als in anderen Regionen der Mundhöhle, in denen die Schleimhaut leicht gedehnt und verschoben werden kann, ist am Gaumen eine direkte Adaption der Wundränder bei einem Gewebedefekt aufgrund von Dehiszenz oder Fistelung schwieriger. Dies führt häufig zu offenen Wundflächen, die sekundär granulieren müssen, was die Heilungsdauer verlängern und das Infektionsrisiko erhöhen kann. Wie im beschriebenen Fall kann durch eine dreidimensionale präoperative Diagnostik, die sorgsame Präparation der Lappen und eine ausgedehnte Mobilisation von palatinal und vestibulär auch unter diesen Umständen ein spannungsfreier Wundverschluss erreicht werden. Wenn die NPDC sich weit nach kranial ausdehnt, kann sie alternativ auch durch transnasale Marsupialisation entfernt werden [Cinn et al., 2009; Kagoya et al., 2022; Kim et al., 2023]. Postoperative Komplikationen umfassen vor allem Nachblutungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen. Aufgrund der schlechten Verschiebbarkeit der palatinalen Schleimhaut kann es zu einer Dehiszenz und einer verzögerten Wundheilung bis hin zu Wundheilungsstörungen kommen. Zudem besteht bei unvollständiger Entfernung der Zyste das Risiko eines Rezidivs, weshalb eine radiologische postoperative Verlaufskontrolle empfehlenswert ist. FAZIT FÜR DIE PRAXIS Die nasopalatinale Zyste ist nicht nur eine diagnostische Herausforderung, sondern auch ein potenzielles Hindernis für eine erfolgreiche implantologische Rehabilitation. Die Abgrenzung zur einfachen Kanalerweiterung ist essenziell, da eine unbehandelte Zyste das Knochenangebot reduziert, sich sekundär entzünden und langfristig zu Symptomen und Komplikationen führen kann. Bei der chirurgischen Entfernung stellen das hohe Blutungsrisiko und die anspruchsvolle plastische Deckung – insbesondere bei Vorliegen eines Gewebedefekts – durch die unbewegliche Gaumenschleimhaut eine besondere Herausforderung dar. Eine vorausschauende chirurgische Planung, die Wahl der geeigneten Entfernungsund gegebenenfalls Augmentationstechnik sowie eine engmaschige postoperative Kontrolle sind entscheidend, um eine komplikationsfreie Heilung zu gewährleisten. CME AUF ZM-ONLINE Enukleation einer nasopalatinalen Zyste und Augmentation des knöchernen Defekts Für eine erfolgreich gelöste Fortbildung erhalten Sie zwei CME-Punkte der BZÄK/DGZMK.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=