zm115 Nr. 07, 01.04.2025, (576) 70 | MEDIZIN STUDIE AUS ÖSTERREICH OP-Patienten nehmen zu lange Opioide ein Erstmals wurde die Häufigkeit von anhaltendem Opioidkonsum nach chirurgischen Eingriffen in Österreich untersucht: Danach nehmen 1,7 Prozent der Patientinnen und Patienten drei bis sechs Monate nach der Operation weiterhin Opioide ein – also selbst dann noch, wenn der akute postoperative Schmerz in der Regel abgeklungen ist. Die Analyse der Daten der Österreichischen Sozialversicherungen von 559.096 Personen, die zwischen 2016 und 2021 insgesamt 642.857 Operationen durchliefen, führte das Forschungsteam vor dem Hintergrund der aktuellen Opioidkrise in den USA durch. Dort habe sich der „neue anhaltende Opioidkonsum“ (NPOU = New Persistent Opioid Use) als ein wesentliches Problem herausgestellt. Opioide sind hochwirksame Schmerzmedikamente, die bei längerem Gebrauch ein hohes Abhängigkeitsrisiko bergen. In den USA entwickeln bis zu sieben Prozent der Menschen nach einer Operation einen fortgesetzten – noch mindestens drei bis sechs Monate nach dem Eingriff andauernden – Opioidgebrauch. „Für Österreich, aber auch für Europa insgesamt, haben solche Angaben bisher gefehlt“, verdeutlicht Studienerstautor Razvan Bologheanu den Ausgangspunkt der aktuellen Datenanalyse. Nötig ist eine restriktivere Verschreibungspraxis Die Ergebnisse zeigen, dass in Österreich 1,7 Prozent der Patientinnen und Patienten, die unmittelbar vor der Operation keine Opioide konsumiert hatten, sechs Monate nach der Operation Schmerzmittel aus dieser Medikamentengruppe einnahmen. „Nach Operationen an der Wirbelsäule haben unseren Untersuchungen zufolge sogar 6,8 Prozent einen NPOU entwickelt“, berichtet Studienleiter Prof. Oliver Kimberger. Ein deutlich erhöhtes Risiko für einen fortgesetzten Opioidgebrauch wurde auch nach Gelenkersatz- und BauchwandbruchOperationen festgestellt. Nach chirurgischen Eingriffen am Blinddarm liegt die Rate hingegen bei nur 0,3 Prozent. Neben der Art der Operation spielen das Alter und die Begleiterkrankungen eine Rolle. Ein höheres Alter, chronische Schmerzen und psychiatrische Erkrankungen, insbesondere Stimmungs- und Substanzgebrauchsstörungen, stehen in einem signifikanten Zusammenhang mit postoperativem Opioidkonsum. Auch Personen, die vor der Operation Opioide eingenommen haben und den Konsum vor dem Gang ins Krankenhaus eingestellt hatten, zählen besonders häufig zur NPOU-Gruppe. „Unsere Studie zeigt, dass fortgesetzter Opioidkonsum nach Operationen auch in Österreich ein wichtiges Thema ist, obwohl eine deutlich restriktivere Verschreibungspraxis herrscht als etwa in den USA“, bilanzieren die Studienautoren. „Die von uns identifizierten Risikofaktoren für NPOU sollten im postoperativen Schmerzmanagement berücksichtigt werden, um die Gefahr von Opioid-Abhängigkeiten zu reduzieren.“ mg Die Studie: R. Bologheanu et al.: New Persistent Opioid Use After Surgery, JAMA Network Open, doi: 10.1001/ jamanetworkopen.2024.60794 https://jamanetwork. com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2830453 Foto: nevodka.com - stock.adobe.com „Fortgesetzter Opioidkonsum ist auch in Österreich ein Thema.“ Razvan Bologheanu, Erstautor der Studie
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