Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

74 | MEDIZIN NEUER THERAPIEANSATZ Nikotinpflaster lindern Long-COVID-Symptome Nach der Corona-Pandemie gibt es immer noch viele Long-COVID-Patientinnen und -Patienten mit unterschiedlichen Symptomen. Nur langsam werden die pathologischen Wege der Erkrankung geklärt. Ein neuer Therapieansatz setzt bei der offensichtlich gestörten cholinergen Neurotransmission an. Die Lösung: Nikotinpflaster. Seit 2020 forscht Dr. Marco Leitzke, Oberarzt an der Helios Klinik Leisnig, zu den Corona-Symptomen und -Folgen. Dabei hat er beobachtet, dass die Anwendung von Nikotinpflastern Long COVID lindern und heilen kann. Die Behandlungserfolge reichen von der sofortigen und erheblichen Linderung bis hin zur dauerhaften, stufenweisen Abschwächung der Symptome. In seiner jüngsten Studie konnte Leitzke nun mit Forschungskollegen der Poliklinik und Klinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Leipzig erstmals die Wirkung von Nikotin bildgebend zeigen. Als cholinerge Neurotransmission wird die Kommunikation zwischen Zellen und Neuronen über cholinerge Rezeptoren an Zellen und Synapsen bezeichnet. Sie basiert in der Regel auf der cholinergen Steuerung der Freisetzung von Neurotransmittern und deren anschließender situationsgerechter Rezeptorbindung. Diese Prozesse bilden die Grundlage einer optimalen zellulären Kommunikation im menschlichen Körper. Sie adjustieren die Signalgebung sowohl im Nervensystem als auch der Zellen untereinander und steuern so im Wesentlichen sämtliche Prozesse im Inneren des menschlichen Körpers. Das Spike-Protein zerstört die gesunde Kommunikation Durch die Infektion mit SARS-CoV-2 gelangen virale Proteine (das sogenannte SARS-CoV-2-assoziierte SpikeGlykoprotein, kurz: SGP) in die menschlichen Zellen und besetzen an deren Oberfläche die Bindungsstellen der nikotinischen Azetylcholinrezeptoren (nAChRs). Diese Rezeptoren bilden die zentrale Struktur der cholinergen Neurotransmission und sind für die koordinierte Interaktion von neuronalen Netzwerken verantwortlich. Durch die Bindung des Virus-Proteins und die Blockade dieser Rezeptoren werden die gesunde Kommunikation des Nervensystems und die damit verbundenen Abläufe gestört. Dies erklärt sowohl die kognitiven, die geistigen und die neuromuskulären Einschränkungen als auch die Stimmungsbeeinträchtigungen sowie die vegetativen Symptome, die das Long-COVID-19Syndrom kennzeichnen. In einem sogenannten Whole-BodyScan (PET-CT/MRT) zeigte die Forschungsgruppe erstmalig bildgebend diesen Verdrängungsprozess an einer Long-COVID-Patientin. „Wir haben die Patientin vor und nach der Nikotinpflaster-Therapie bildgebend untersucht. Die Auswertung der PET-CT-/ MRT-Bilder zeigt eindrucksvoll, dass das Nikotinmolekül die Rezeptoren von dem viralen Spike-Protein befreit und so die physiologische cholinerge Neutransmission wieder ermöglicht hat. Durch seine hohe Bindungsstärke an nikotinische Azetylcholinrezeptoren kann Nikotin das Virus-Protein verdrängen und somit die blockierten Rezeptoren befreien. Die Viruslast wird dann durch präformierte Antikörper, die bei der Akutinfektion oder durch die Impfung gebildet wurden, eradiziert“, erläutert Leitzke die heilende Wirkung des Nikotins. Die blockierten Rezeptoren befreit das Nikotin wieder Eine nachgelagerte Befragung von 231 Betroffenen zur Verbesserung der Symptome nach der Behandlung mit Nikotinpflastern bestätigt die Hypothese seiner Fallstudie. 73,5 Prozent der Long-COVID-Erkrankten zeigten eine signifikante Verbesserung ihrer Symptome und fühlten sich nach der Nikotinpflaster-Therapie deutlich besser. Und Leitzke gibt Entwarnung: Eine stabile Studienlage belege, dass Nikotin kein Kanzerogen ist und bei transkutaner Applikation keine addiktive Wirkung hat, sagt er. mg Die Studie: Leitzke, M., Roach, D.T., Hesse, S. et al.: Long COVID – a critical disruption of cholinergic neurotransmission?. Bioelectron Med 11, 5 (2025). https://doi. org/10.1186/s42234-025-00167-8 Long COVID entsteht möglicherweise dadurch, dass das Spike-Protein von SARSCoV-2 Rezeptoren blockiert (siehe Abbildung rechts). Nikotinpflaster könnten das rückgängig machen, zeigt eine Leipziger Studie Die Auswertung der PETCT-/MRT-Bilder zeigt eindrucksvoll, dass das Nikotinmolekül die Rezeptoren von dem viralen SpikeProtein befreit und so die physiologische cholinerge Neutransmission wieder ermöglicht hat. Dr. Marco Leitzke, Oberarzt an der Helios Klinik Leisnig zm115 Nr. 07, 01.04.2025, (580)

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