Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

GESELLSCHAFT | 81 Bei unserer Ankunft wünschte uns Dr. Wolfgang Pehl, der die Zahnklinik vor Ort aufgebaut hat, mit einem Augenzwinkern „Viel Erfolg“. Dann begann die vierstündige Autofahrt nach Kabwe – vorbei an weitläufigen Landschaften, kleinen Dörfern und dem bunten Treiben am Straßenrand. Ab da sog ich jeden Moment auf. Die Patienten organisierten ihre eigene Warteschlange In unserer Unterkunft wurde mir schnell klar: Das Leben hier ist komplett anders. Strom gab es erst ab 21 Uhr. Anfangs war dieser neue Rhythmus schon sehr gewöhnungsbedürftig. Aber ohne künstliches Licht und ohne die Ablenkung von Bildschirmen hörte ich die Natur und die Gespräche um mich herum viel intensiver. Und der Tag klang am Ende bewusster aus. Die Zahnklinik, in der ich in den folgenden zwei Wochen behandeln sollte, war in der Twikatane School untergebracht. Die Schule war 2019 eröffnet und seitdem immer wieder um neue Gebäude erweitert worden, um mehr Schülerinnen und Schüler unterzubringen. Unsere Arbeit dort war intensiv, aber auch unheimlich erfüllend. Die Patienten kamen reihenweise, warteten geduldig – manchmal bis zu sieben oder acht Stunden – ohne sich zu beschweren. Die Warteschlange organisierten sie selbst, das lief ruhig und respektvoll ab, ohne Drängeleien. Stattdessen wurde gelacht, geplaudert und mit einer Selbstverständlichkeit auf den Moment gewartet, in dem man an der Reihe war. Diese innere Ruhe und das Vertrauen ins Leben haben mich tief berührt. Der schwerste Moment kam am Ende eines langen Tages: den wartenden Patientinnen und Patienten zu sagen, dass wir für heute fertig waren. Nach stundenlangem Warten reagierten sie nur mit einem Nicken und einem Lächeln. Mit nur einer Behandlungseinheit versorgten wir in der Zeit rund 300 Patienten. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine riesige Herausforderung, doch trotz der intensiven Arbeit hatten wir unglaublich viel Spaß. „In der Ruhe liegt die Kraft“ wurde unser TeamMotto bei der Arbeit. Der Strom fiel ständig aus. Ohne unsere Kopflampen wären wir aufgeschmissen gewesen. Die Behandlungen selbst waren körperlich anstrengend, vor allem wegen der Extraktionen, die auf Dauer ganz schön in den Arm gingen. Die Dankbarkeit der Patienten war der Lohn, besonders bei Frontzahnfüllungen, die vielen ihr selbstbewusstes Lächeln zurückgaben. Ein Patient kam mit einer Kieferklemme. Mit dem HippokratesGriff brachten wir den Kiefer wieder in die richtige Position. Zwei Stunden später stand er erneut vor uns – ein unfreiwillig komischer Moment, der mir zugleich ans Herz ging. Was würde er tun, wenn wir nicht wären? Man bewegt nicht nur andere, sondern auch sich selbst Bei den Schulkindern waren vereinzelt Füllungen nötig, doch Karies war selten. Kein Wunder, denn es gab kaum Zucker. Ab der Mittagspause kamen dann auch Erwachsene aus dem nahegelegenen Compound (in etwa: Siedlung), wo die Kinder lebten. Es wurde also voller und die Behandlungen intensiver: mehr Extraktionen, mehr Füllungen, viel zu tun. NebenderzahnmedizinischenBehandlung halfen wir auch auf andere Weise: Wir verteilten Brillen aus Deutschland. Die Reaktionen der Menschen, die plötzlich wieder schärfer sehen konnten, waren unbezahlbar. Nach 14 Tagen voller Erlebnisse, harter Arbeit und neuer Freundschaften kam der Moment des Abschieds. Die Kinder hielten unsere Hände fest, ihre Blicke fragten: „Wann kommt ihr wieder?“ Mein Herz wurde wieder schwer, doch ich weiß, ich komme wieder. Diese Reise hat mir gezeigt: Ehrenamt ist keine Einbahnstraße. Man gibt und bekommt so viel mehr zurück. Man bewegt nicht nur andere, sondern auch sich selbst. „ zm115 Nr. 07, 01.04.2025, (587) „Hier spiele ich mit den Kindern ein Geschicklichkeitsspiel mit Steinen. Mein klägliches Scheitern sorgte für schallendes Gelächter.“ „Unser Team bestand aus der ZFA Jennifer Brüggenkoch und Dr. Hans Hugo Wilms, einem erfahrenen Zahnarzt. Jeder kannte seine Aufgabe, ohne viele Worte lief alles wie am Schnürchen.“

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