Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 15-16

POLITIK | 13 sind durch Bürokratieabbau zu reduzieren. Der leistungslose Zugang zur GKV ist zu beschränken. Dr. Christos Pantazis: Unser Gesundheitswesen leidet an Defiziten bei der Digitalisierung, unzureichender Prävention sowie mangelnder Effizienz und Steuerung – insbesondere bei der Notfallversorgung und der fehlenden Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung. Ein modernes Primärarztsystem soll hier gezielt Abhilfe schaffen und Patientinnen und Patienten besser durchs System lotsen. Prof. Armin Grau: Es krankt an mangelnder Prävention und Gesundheitsförderung, an zu vielen stationären Behandlungen und zu starker Sektorentrennung. Gewinninteressen stehen nicht selten im Konflikt mit dem Patientenwohl. Gerade im zahnärztlichen Bereich sehen wir durch InvestorenMVZ eine Entwicklung, die Qualität und Versorgungsgerechtigkeit gefährdenkann. Julia-Christina Stange: Das deutsche Gesundheitswesen krankt vor allem an seiner Zwei-Klassen-Struktur und der zunehmenden Ökonomisierung medizinischer Versorgung. Wenn der Geldbeutel entscheidet, wie schnell und gut jemand behandelt wird, dann ist das weder gerecht noch gesund. Auch in der Zahnmedizin spüren viele Menschen, dass notwendige Behandlungen nicht vollständig übernommen werden und Prävention zu kurz kommt. Was wollen Sie in dieser Legislaturperiode erreichen? Müller: Einen wesentlich effektiveren Einsatz der begrenzten finanziellen Ressourcen, um die für den internationalen Wettbewerb und die Leistungsmotivation der Beschäftigten trotz demografischen Wandels wichtige Beitragsstabilität zu erreichen. Baum: Den flächendeckenden wohnortnahen Erhalt von Krankenhäusern und Hausarztpraxen. Aufarbeitung des Themas Corona und Verhinderung der Abgabe von Befugnissen an zentrale globale Strukturen wie die WHO. Pantazis: Wir wollen die GKV finanziell stabilisieren und gleichzeitig zentrale Strukturreformen umsetzen. Mit der Krankenhausreform, dem Primärarztsystem und einer effizienteren Notfallversorgung wollen wir vorhandene Effizienzreserven heben – für eine bessere Versorgung ohne Mehrbelastung der Beitragszahlenden. Grau: Wir wollen die Regierungsarbeit kritisch begleiten. Prävention und sektorübergreifende Versorgungsstrukturen vor allem im ländlichen Raum sollen gestärkt werden. Stange: Unser zentrales Ziel ist die Einführung einer solidarischen Gesundheits- und Pflegevollversicherung – weg vom Flickenteppich aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Jeder Mensch soll Zugang zu allen medizinisch notwendigen Leistungen bekommen, ohne Zuzahlungshürden und ohne Angst vor den Kosten. Krankenhäuser gehören in die öffentliche Hand und müssen auskömmlich finanziert werden. Präventive und notwendige zahnmedizinische Leistungen müssen vollständig von den Kassen übernommen werden. Außerdem kämpfen wir für mehr Personal, bessere Löhne und mehr Mitbestimmung für Beschäftigte im Gesundheitswesen. Was muss seitens der Politik getan werden, um die Prävention und Früherkennung von Zahnerkrankungen zu fördern? Müller: Es bedarf einer besseren Aufklärung der Bevölkerung, diese muss bereits im Schulalter erfolgen. Etwaige Bonussysteme sollten darauf überprüft werden, ob sie in ihrer Attraktivität noch gesteigert werden könnten. Baum: Die Zahnmedizin hat gezeigt, dass regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zu einer deutlich verbesserten Zahngesundheit geführt haben. Ein Anreizsystem für Patienten (Kosteneinsparung bei späteren Behandlungen – Bonusheft) und auskömmliche Vergütung der Zahnärzte sind dafür die Grundvoraussetzung. Pantazis: Prävention braucht gezielte Aufklärung, niedrigschwellige Angebote und bessere Vernetzung mit anderen Versorgungsbereichen. Digitale Tools können helfen, Bürokratie zu senken und Behandlungen zu beschleunigen – zum Vorteil von Praxen und Patientinnen und Patienten. Grau: Prävention muss integraler Bestandteil der Versorgung werden – etwa in Kitas und Schulen. Dafür brauchen wir verbindliche Strukturen und eine stärkere Einbindung der zahnärztlichen Expertise in Präventionsstrategien. zm115 Nr. 15-16, 16.08.2025, (1271) DR. CHRISTOS PANTAZIS (SPD) Geboren am 9. Oktober 1975 in Hannover, war der promovierte Mediziner von 2004 bis 2013 als Neurochirurg am Städtischen Klinikum Braunschweig tätig. 2013 wurde er in den Niedersächsischen Landtag gewählt, dem er bis 2021 angehörte. Seit 2021 sitzt er im Bundestag und engagiert sich im Gesundheitsausschuss. Bei der Wahl im Februar 2025 gewann er erneut das Direktmandat im Wahlkreis Braunschweig. Seit Mai 2025 ist Pantazis gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Foto: photothek.net JULIA-CHRISTINA STANGE (DIE LINKE) Geboren am 25. April 1978 in Aachen, zog Stange bei der Wahl im Februar 2025 über die Landesliste der Partei Die Linke in Rheinland-Pfalz neu ins Parlament ein. Zuvor arbeitete sie als Fachkinderkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege im Universitätsklinikum Mainz. Im Bundestag ist sie Obfrau ihrer Fraktion im Gesundheitsausschuss sowie Sprecherin für ambulante Versorgung, Frauengesundheit und Ausbildung im Gesundheitswesen. Foto: Foto Rimbach, Mainz

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