16 | ZAHNMEDIZIN MKG-CHIRURGIE Zerebraler Abszess nach odontogener Infektion bei vermeintlicher Penicillinallergie Andrea Schmid, Julia Heider, Kim-Hendrik Lindwedel, Richard Werkmeister Odontogene Infektionen können bei ungehemmtem Verlauf zu potenziell lebensbedrohlichen Situationen führen. Neben den chirurgischen Maßnahmen ist insbesondere bei progredienten Verläufen eine wirksame Antibiotikatherapie entscheidend für den Heilungsprozess. Dabei können anamnestische Penicillinallergien einer optimalen Behandlung entgegenstehen – umso wichtiger ist deren rechtzeitige Überprüfung. Eine 72-jährige Patientin stellte sich mit einer paramandibulären Schwellung rechts vor. Anamnestisch bestand eine bekannte Penicillinallergie mit einem vor mehr als zehn Jahren aufgetretenem Exanthem im Rahmen der Antibiotikagabe. Die Patientin wies relevante Vorerkrankungen auf (chronisch obstruktive Lungenerkrankung, periphere arterielle Verschlusserkrankung, arterielle Hypertonie, mikrozytäre Anämie, Vorhofflimmern) und hatte eine ausgeprägte Raucheranamnese mit mehr als 50 Packyears. Bereits im Jahr 2017 war bei ihr eine purulente Osteomyelitis des linken Unterkiefers aufgetreten, die stationär, mit mehrfachen operativen Revisionen in Intubationsnarkose, behandelt werden musste. Damals war in den intraoperativ durchgeführten mikrobiologischen Abstrichen ein Streptococcus intermedius nachgewiesen worden. Die aktuelle Infektion im rechten Unterkiefer entwickelte sich nach alio loco erfolgter Extraktion des Zahnes 43. Aufgrund eines deutlich reduzierten Allgemeinzustands und auffälliger Laborwerte (C-reaktives Protein 22,4 mg/dl, Leukozyten 17,9 G/l, Hämoglobin 8,8 g/dl, Kalium 2,7 mmol/l) erfolgte die stationäre Aufnahme zur weiteren Behandlung. Initial wurde eine intraorale Inzision in Lokalanästhesie zm115 Nr. 15-16, 16.08.2025, (1274) Abb. 2: Axiale Schicht des CT-Unterkiefer/Halsweichteile im Weichteilfenster nach Revisionseingriff: Man sieht die eingebrachten Drainageröhrchen (rote Pfeile) medial und lateral des aufsteigenden Unterkieferastes. Abb. 1: Koronare Schicht des CT-Unterkiefer/Halsweichteile im Weichteilfenster: Es zeigen sich multiple Abszessformationen (rote Pfeile) medial und lateral angrenzend an den Ramus mandibulae rechts und bis an des Os sphenoidale reichend. Fotos: BwZKrhs Koblenz
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