zm115 Nr. 15-16, 16.08.2025, (1296) 38 | ZAHNMEDIZIN den Zugangsmöglichkeiten und dem Implantatsystem. Schraubenbrüche oberhalb des Implantatniveaus sind in der Regel leichter zu handhaben, da die Fragmente meist direkt greifbar sind. Schwieriger wird es, wenn sich das Fragment tief im Implantatinneren befindet oder bereits auf dem Boden des Implantats aufsitzt – dort können Reibung und Kaltverschweißung ein einfaches Zurückdrehen unmöglich machen. Eine Schraubenfraktur äußert sich klinisch typischerweise durch Lockerung der Suprastruktur. Zur Diagnostik gehören die direkte Sichtkontrolle, Palpation, Röntgendiagnostik mittels Zahnfilm oder OPG sowie der Vergleich mit intakten Komponenten desselben Systems. Auch das Tasten mit einem feinen Instrument kann Hinweise liefern. Ist das Implantat von Weichgewebe überwachsen, sollte dies zur Sichtoptimierung unter Lokalanästhesie möglichst atraumatisch entfernt werden. Grundsätzlich sollten alle Entfernungsversuche ausschließlich unter Vergrößerung (Lupenbrille oder Mikroskop) und koaxialer Ausleuchtung erfolgen. Besonders bei der Arbeit unter dem OP-Mikroskop in indirekter Sicht über den Mundspiegel ist zu beachten, dass die beobachtete Drehbewegung spiegelverkehrt erscheint – eine wichtige Feinheit, die gerade bei eng sitzenden Fragmenten von entscheidender Bedeutung sein kann. Als initiales Manöver hat sich der vorsichtige Versuch bewährt, das Fragment mit einer Wurzelkanaleingangssonde gegen den Uhrzeigersinn zu mobilisieren. Eine Drehung im Uhrzeigersinn ist unbedingt zu vermeiden, da sie das Fragment weiter in das Implantat hineindrücken und die Friktion erhöhen kann. Ist das Fragment bereits auf dem Implantatboden aufgesetzt, kann dies ein Zurückdrehen nahezu unmöglich machen. Der Einsatz von Ultraschallinstrumenten (zum Beispiel ZEG) darf niemals blind und schon gar nicht ohne Sicht erfolgen. Auch eine mechanische Ausbohrung ohne geeignete Führung oder Spezialwerkzeuge birgt ein hohes Risiko der Beschädigung des Implantatinnengewindes. Solche Schäden können die prothetische Versorgung erheblich erschweren oder sogar eine Explantation notwendig machen. In Fällen, in denen eine Entfernung nicht gelingt, bestehen drei Optionen: die Modifikation der Implantatoberfläche zur Aufnahme einer Suprakonstruktion, das Inaktivieren des Implantats („buried“ oder „sleeping implant“) oder die vollständige Entfernung [Mizumoto et al., 2018; Raju et al., 2021]. Führt der primäre Mobilisierungsversuch nicht zum Erfolg, empfiehlt es sich, den Zugang temporär mit Teflonband oder Watte zu verschließen und die Behandlung neu zu terminieren. Parallel sollte der Systemtechniker des Herstellers kontaktiert werden. Etablierte Implantathersteller stellen häufig spezielle Extraktionssets, klinische Anleitungen sowie technische Unterstützung zur Verfügung – ein Angebot, das bei komplexen Fällen unbedingt genutzt werden sollte. n FAZIT FÜR DIE PRAXIS n Brüche von Abutmentschrauben sind selten, erfordern aber ein strukturiertes, schonendes Vorgehen. n Frakturen oberhalb des Implantatniveaus sind meist einfacher zu behandeln als tiefliegende Fragmente. n Die initiale Entfernung ist immer unter Vergrößerung (Lupenbrille oder Mikroskop) und mit koaxialem Licht durchzuführen. n Nie im Uhrzeigersinn drehen! Fragmente sollten stets vorsichtig gegen den Uhrzeigersinn mobilisiert werden. n Ultraschall und Bohrtechniken nur unter Sicht und mit geeigneten Instrumenten anwenden – andernfalls drohen Gewindeschäden. n Bei erfolglosen Versuchen: Termin neu planen und Kontakt zum Systemtechniker des Herstellers aufnehmen. n Renommierte ImplantatsystemAnbieter bieten Hilfsmittel, Spezialsets und Support – diese Optionen sollten genutzt werden. n Alternativen bei irreversibler Situation: Modifikation, Inaktivierung oder Explantation des Implantats. CME AUF ZM-ONLINE Management gebrochener Implantatkomponenten Für eine erfolgreich gelöste Fortbildung erhalten Sie zwei CME-Punkte der BZÄK/DGZMK. Anna-Lena Gruber DeinDental MVZ GmbH Ingelheim Binger Str. 38, 55218 Ingelheim Foto: privat PD Dr. med. dent. habil. Dan Brüllmann Oralchirurgie Weißliliengasse Weißliliengasse 31, 55116 Mainz Foto: privat Dr. Ina von Ritter, M.Sc. Praxis Dr. Kraft M.Sc. & Kollegen Hohlweg 20, 65396 Walluf Foto: privat
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