POLITIK | 41 solche Vorschläge habe. „Auf der anderen Seite muss man sagen, dass die gesellschaftliche Situation derzeit sehr angespannt ist. Viele Menschen sagen: 'Macht endlich Schluss mit diesem belehrenden Politikansatz und sagt uns nicht, was wir dürfen und was nicht!'“, so Schenk. Er würde daher eher auf Aufklärung setzen oder gesunde Ernährungsangebote in Kantinen, Schulen und Kindergärten fördern. Zudem müssen präventive Maßnahmen weiter erforscht werden. „Wir wissen darüber wahrscheinlich noch viel zu wenig. Insofern plädiere ich dafür, gemeinsam dafür zu sorgen, Krankheiten und wie sie entstehen zu erforschen, und auch, wie man Prävention wirklich klug macht. Wie wir es jetzt diskutiert haben, bedeutet Prävention, den Leuten etwas zu verbieten oder zu empfehlen. Es gibt aber wahrscheinlich noch ganz andere Dinge“, meinte Schenk. Meint die EU es ernst mit dem Bürokratieabbau? Jordan entgegnete, er sei nicht der Auffassung, dass die großen lebensstilassoziierten Erkrankungen wie Diabetes oder Parodontitis noch intensiver erforscht werden müssten. Er warf die Frage auf, ob die individuelle Freiheit als Argument ausreiche, um nicht entschiedener gegen nachgewiesen gesundheitsschädliche Verhaltensweisen vorzugehen. Ebenso wie die deutsche Bundesregierung hat auch die EU-Kommission angekündigt, den Bürokratieabbau voranzutreiben. Vor diesem Hintergrund wollte Wirtschaftsjournalistin Silke Wettach, die die Podiumsdiskussion moderierte, von Sabine Kossebau, Leiterin des Referats Gesundheit der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU, wissen, ob sie hier „echten Willen“sehe. Daran werde sehr intensiv gearbeitet, sagte Kossebau. Sie appellierte an die Leistungserbringer, sich frühzeitig mit Gesetzesvorhaben auseinanderzusetzen und entsprechende Forderungskataloge einzureichen, da dies auf europäischer Ebene noch wichtiger sei als auf nationaler. „Wenden Sie sich mit den Vorschlägen an die Kommission, ans Europäische Parlament und auch an die Mitgliedstaaten, um Ihre Anliegen rechtzeitig zu platzieren“, so Kossebau. Denn: Anders als auf nationaler Ebene seien Gesetze auf EU-Ebene nach den langjährigen Verhandlungen der Mitgliedstaaten nach ihrer Ratifizierung erst einmal „in Stein gemeißelt“. Hier täten sich zwei Probleme auf, gab BZÄK-Vizepräsidentin Dr. Romy Ermler zu bedenken: Zum einen ließen sich manche bürokratische Belastungen vorab nicht erkennen und zum anderen sähen sich die Bundesregierung und die EU oft nicht in der Verantwortung. „Wir haben kürzlich detaillierte Forderungen zum Bürokratieabbau im zahnärztlichen Bereich veröffentlicht und dann die Erfahrung gemacht, dass Berlin die Zuständigkeit in Brüssel sieht und Brüssel schiebt es auf Berlin. Da wünschen wir uns einen Konsens.“ „Es muss sich etwas tun!“ Konstantin von Laffert, Vizepräsident der BZÄK, beendete den Europatag mit einem kurzen Schlusswort. „Wir haben heute wirklich oft den Satz gehört: 'Es wird schwierig!'“, so sein Fazit. „Natürlich ist es nicht einfach, Prävention auf- und Bürokratie abzubauen. Aber aus Sicht der Zahnärzteschaft möchte ich sagen: Es muss sich etwas tun!“ Auf keinen Fall dürfe es – beispielsweise im Zuge des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS) – zu noch mehr Bürokratie für Zahnärztinnen, Zahnärzte und ihre Teams kommen. Das würde die ohnehin angespannte Personalsituation in den Praxen noch verschärfen. Gute Lösungen, stellte von Laffert klar, wären daher „überlebenswichtig“. sth zm115 Nr. 15-16, 16.08.2025, (1299) Was plant die EU, um die nationalen Gesundheitssysteme zu entlasten? Diese Frage erörterten bei der Podiumsdiskussion auf dem BZÄK-Europatag (v.l.n.r.) die Wirtschaftsjournalistin Silke Wettach (Moderation), Oliver Schenk (CDU), Mitglied des Gesundheitsausschusses des EU-Parlaments, Dr. Romy Ermler, BZÄK-Vizepräsidentin, Sabine Kossebau, Leiterin des Referats Gesundheit der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU, und Prof. Dr. Rainer Jordan, wissenschaftlicher Direktor des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ). Foto: BZÄK_Louvet
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