Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 15-16

POLITIK | 47 man wissen, dass sich Zahnärztinnen und Zahnärzte in der DDR ab 1972 nicht mehr niederlassen durften, sondern ausschließlich in staatlichen Praxen und Polikliniken arbeiteten. Erlaubt war nur – wie in Herberts Fall – die Übernahme der elterlichen Praxis. In Cottbus arbeiteten zu diesem Zeitpunkt etwa 13 Niedergelassene und 120 Zahnärztinnen und Zahnärzte an den Polikliniken. „Das System funktionierte aus meiner Sicht nicht, weil die Kolleginnen und Kollegen ein Festgehalt bekamen. Sie haben ihren Beruf ordentlich gemacht, aber etwas zu langsam“, so Herbert. Könnt ihr nicht mal einen Kurs mit uns machen? Dann kam die Wende und der junge Praxisinhaber wartete nicht lange ab. „Fastnacht 1990 bin ich nach Saarbrücken gefahren, das war damals die Partnerstadt von Cottbus. Ich habe die Adressen von Kammer und KZV rausgesucht, bin dort einfach vorbeigegangen und habe gefragt: ‚Könnt ihr nicht mal einen Kurs mit uns machen? Bei uns hat keiner eine Ahnung, was Kammer und KZV machen.‘“ Im Sommer 1990 lud die saarländische Standesvertretung die angehenden Berufspolitikerinnen und -politiker tatsächlich zu einer zehntägigen Schulung ein. Zuvor hatte sich bereits der „Verband der niedergelassenen Zahnärzte Land Brandenburg“ gegründet. Im November 1990 folgte die Gründung der Landeszahnärztekammer Brandenburg als Verein, beraten und begleitet von der ihr zugewiesenen Partnerkammer Westfalen-Lippe. „Vier von uns, die an dem Crashkurs in Saarbrücken teilgenommen hatten, starteten dann in der Kammer und zwei in der KZV“, berichtet Herbert. „Und so haben wir Schritt für Schritt die Selbstverwaltung aufgebaut. Am Anfang war es wichtig, einfach zu machen!“ Ein bestimmendes Thema für den frisch gebackenen Kammerpräsidenten war das Finden von Räumlichkeiten. „Das Problem war, dass es in der DDR keinen brauchbaren Gewerberaum für Kammer und Praxen gab. Wir sind schließlich in eine ehemalige Wehrmachtsbaracke mit Ofenheizung eingezogen. Da musste man morgens erst einmal kräftig Lärm machen, um die Mäuse zu verscheuchen“, sagt er lachend. „1992 fanden wir dann bessere Räumlichkeiten.“ Dort blieb die Kammer, bis sie in den 2000er-Jahren an den jetzigen Standort gezogen ist. Auf die dreieinhalb Jahrzehnte Berufspolitik blickt er zufrieden zurück, insbesondere auf die Anfangsjahre. „Ich habe mich in der ersten Zeit vor allen Dingen um die Niederlassungsberatung gekümmert. Das habe ich anscheinend nicht schlecht gemacht, denn die Kolleginnen und Kollegen sind alle glücklich geworden.“ Die Kammer stellte darüber hinaus eine Expertin ein, die ab Anfang der 1990erJahre eine kostenfreie Rentnerberatung anbot. Ende 1992 war die Kammer laut Herbert zu 95 Prozent aufgebaut. Parallel arbeitete Herbert in seiner Praxis, doch die Berufspolitik war immer präsent. „Mein Team hat nicht selten gesagt: ‚Chef, im Moment telefonierst du mehr, als dass du arbeitest!‘ Und zm115 Nr. 15-16, 16.08.2025, (1305) Herbert und Dr. Peter Kuttruff, damaliger Vorstandsvorsitzender der KZV Stuttgart, bangen beim DFB-Pokalfinale 1997. Der damalige Regionalligist Energie Cottbus schaffte es bis ins Berliner Olympiastadion – und kassierte dann zwei Tore vom VfB Stuttgart. Foto: privat Herbert mit Dr. Romy Ermler, damaliges Vorstandsmitglied der LZK Brandenburg, beim 30. Jubiläum der Kammer: Ermler, inzwischen Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer, wird die LZK Brandenburg künftig als Präsidentin führen. Foto: ©Michael Helbig „Man sollte sich nur so viel streiten, dass man danach noch ein Bier zusammen trinken kann.“ Jürgen Herbert Die Kammer Westfalen-Lippe war nach der Wende die Partnerkammer der Brandenburger Zahnärzteschaft. Mit dem damaligen Präsidenten und späteren Präsidenten der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, verband Herbert eine langjährige Freundschaft. Foto: LZK Brandenburg

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