Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 15-16

50 | ZAHNMEDIZIN verminderte Regenerationsprozesse, verminderte Verdauungsaktivität und verminderte Durchblutung des präfrontalen Kortex bei erhöhtem Stressniveau“ [Priyadharshini et al., 2024]. Viele orofaziale Erkrankungen sind mit Stress assoziiert Die Forschenden erklären, dass Stress mit vielen somatischen Erkrankungen assoziiert wird, unter anderem mit Hypertonie und Magengeschwüren, sowie zahlreichen orofazialen Erkrankungen, zum Beispiel mit oralem Lichen planus, rezidivierenden Aphthen, dem Burning-Mouth-Syndrom und dem myofaszialen Schmerzsyndrom. Personen mit hohem Stressniveau würden außerdem häufig parafunktionelle Habits wie das Kauen auf Gegenständen oder Nägeln entwickeln sowie vermehrt unter Bruxismus leiden. Stressbedingtes Erbrechen, etwa bei Bulimia nervosa oder Magenbeschwerden, führe nicht selten zu erosiven Schäden an der Zahnhartsubstanz. Zugleich würden Menschen mit psychischen Erkrankungen oft eine schlechte Mundhygiene und einen erhöhten DMFT-Index aufweisen. Priyadharshini et al. unterteilen die oralen Manifestationen psychischer Störungen in verschiedene Hauptkategorien, je nachdem, ob Hartgewebe, Weichgewebe, Schmerzsyndrome oder Autoimmunprozesse betroffen sind (Abbildung 1). Im Folgenden werden die häufigsten Krankheitsbilder skizziert: n Burning-Mouth-Syndrom (BMS): Leitsymptom der Erkrankung ist ein Brennen, zumeist begleitet von Schmerzen und/oder Dysästhesien ohne sichtbare Veränderungen an der oralen Schleimhaut. Die Autoren nennen Angstzustände und Depressionen als häufig mit BMS in Verbindung gebrachte Erkrankungen. Obwohl die genaue Pathogenese nicht abschließend geklärt ist, konnte bereits festgestellt werden, „dass Geschmacksveränderungen und anhaltendes Brennen bei BMS mit einer starken Schädigung der myelinisierten Aβ-Afferenzen im Trigeminusnerv oder seinen Hirnstammkreisläufen sowie einer verminderten Aδ-Faser-Signalübertragung bei relativ normaler C-Faser-Funktion zm115 Nr. 15-16, 16.08.2025, (1308) - Bruxismus – Attrition der Zähne - Parodontitis - Karies (Xerostomie) - Myofasziales Schmerzsyndrom - Atypische Odontalgie - Atypische Gesichtsschmerzen Phobien - Dysmorphophobie - Odontophobie - Oraler Lichen planus - Rezidivierende aphthöse Stomatitis - Schleimhautpemphigoid 1. Hartgewebeveränderungen 2. Schmerzbezogene Störungen 4. Sonstiges 3. Autoimmunerkrankungen 5.Weichgewebeveränderungen Zunge Wangenschleimhaut Gingiva Gaumen Labiale Mukosa Parodont - Chronische Parodontitis - Glossodynie - Dysgeusie - Glossitis - Lingua geographica - Glossopyrose - Aphthen - Morsicatio - Nekrotisierende ulzerierende Gingivitis - Palatinale Erosion - Rezidivierender Herpes labialis - Morsicatio Orale Manifestationen psychosomatischer Erkrankungen Schematische Darstellung oraler Manifestationen psychischer Erkrankungen Abb. 1 Quelle: Priyadarshini, Karthikeyan Ramalingam, eigene Übersetzung nach [Priyadharshini et al., 2024]

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