der Pulpa. 1838 ertüftelt der amerikanische Zahnarzt Edwin Maynard die erste Exstirpationsnadel, dabei soll er eine dünne Uhrenfeder zu einer Art Reibahle zurechtgefeilt haben. War da schon der Gedanke im Spiel, den Bohrkanal verfeinern zu können? Aus welcher Zeit bist du? Doch der Zeitpunkt der Entdeckung einer neuen Erfindung oder eines neuen Instruments ist immer zu unterscheiden von deren Verbreitung und Etablierung. Wir sehen grobe, noch ungenormte Drähte oder Federn mit einem kleinen Haken am Ende, ohne Kanalerweiterung, ohne die heute etablierte Längen- und Querschnittskontrolle – damit war die Auswahl der Größe noch Lotterie. Die Gefahr einer Überinstrumentierung entsprechend groß. Haesler sagt es so: „Wir befinden uns hier noch in der Zeit vor der systematischen Wurzelkanalaufbereitung, ich datiere diese Instrumente auf kurz nach 1850.“ Die verwendeten Materialien weisen den Weg: Der Elfenbeingriff mit der Eisen-Vernickelung spricht für ihn „mit ziemlicher Sicherheit“ für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Also ruft das abgebildete Instrumenten-Set eine Zeit in Erinnerung, in der man sich die „Dentalbranche“ so vorstellen muss, dass zeitgleich verschiedene Instrumente (neben den sowieso verschiedenen Behandler-Fertigkeiten) koexistiert haben – lange vor der Standardisierung der Instrumente, der Behandlungsmethoden und der Ausbildung. Ja, der Weg war lang und schmerzhaft bis zur heutigen hochpräzisen Wurzelkanalbehandlung mit allerfeinsten SpezialInstrumenten. Aber Haesler will die dentale Geschichte (hier der Endodontie) nicht nur erzählen, sondern auch ausstellen. Immer in Gedanken an den nächsten Schaukasten fand er „auf dem Flohmarkt“ zufällig dieses Instrumentenbänkchen in Form einer Schlange, vermutlich um 1880 hergestellt. Bei Haesler fügt sich dann sofort eins zum anderen: „Sieht doch super aus.“ mb Im nächsten Teil schauen wir in eine Kiste mit der Aufschrift „Polenfeldzug“. Bisher erschienen sind: zm 1-2/2025: Goodbye Amalgam! zm 3/2025: Wohin mit meinem Bohrer? zm 4/2025: „Wien hat’s nicht, Linz hat’s nicht, und Utrecht auch nicht“ zm 5/2025: Ein Lehrstück in plastischer Anatomie zm 6/2025: „Die wollte ich schon haben“ zm 7/2025: Zwei in eins – der Papageienschnabel zm 8/2025: „Das Bild wird einen Ehrenplatz bekommen“ zm 9/2025: Der Optimax – strahlend mundspülen zm 10/2025: Auf den Schultern von Riesen zm 11/2025: Für Zoologen: der Wattepellet-Igel zm 12/2025: Ich packe meinen Koffer zm 13/2025: Der Schädel der Schande zm 14/2025: „An einem Zahne stirbt man doch nicht“ zm115 Nr. 15-16, 16.08.2025, (1311) gespendet! www.zm-online.de/ dentales-erbe 200.000 150.000 100.000 50.000 0 165.768€ Helfen Sie mit! Dentalhistorisches Museum Sparkasse Muldental Sonderkonto Dentales Erbe DE06 8605 0200 1041 0472 46 Bei Angabe von Namen und E-Mail-Adresse wird eine Spendenquittung übersandt. GESELLSCHAFT | 53 MIT DEM DENTALMUSEUM DURCH2025 In jeder Ausgabe in diesem Kalenderjahr heben wir einen Schatz aus dem Dentalhistorischen Museum in Zschadraß und geben an den Exponaten entlang einen Einblick in die Geschichte der Zahnheilkunde. Fotos: zm-mg, Dentalmuseum
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