ZAHNMEDIZIN | 67 benachbarter Strukturen) aufgeklärt und erhielt einen entsprechenden Aufklärungsbogen. Das präoperative OPG zeigte einen generalisierten horizontalen und an den Zähnen 16 und 26 auch einen vertikalen Knochenabbau, Konkremente insbesondere im zweiten und im dritten Quadranten und in der Unterkieferfront, einen Füllungsverlust an 22, eine regelrechte Wurzelkanalbehandlung an Zahn 25, aber keine weiteren Auffälligkeiten in den umgebenden radiologischen Strukturen (Abbildung 2). Unter antibiotischer Abschirmung wurde der nekrotische Knochen einschließlich des Zahnes 25 bis zum vitalen, durchbluteten Gewebe in Lokalanästhesie abgetragen (Abbildung 3). Der Wundverschluss erfolgte mittels eines Dehnungslappens durch Periostschlitzung (Abbildung 4). Es folgte eine detaillierte Instruktion zur postoperativen Wundschonung. Eine Röntgenkontrolle wurde postoperativ durchgeführt (Abbildung 5). Eine Woche postoperativ zeigte sich eine leichte Wundheilungsstörung, die weiter konservativ mit antiseptischer Spüllösung behandelt wurde (Abbildung 6). Festgestellt wurde eine verbesserte Reaktion auf den Vitalitätstest an Zahn 24. Drei Wochen nach dem Eingriff war die Wundheilung deutlich fortgeschritten und die Patientin beschwerdefrei (Abbildung 7). Vereinbart wurde eine Wiedervorstellung in sechs Monaten zur Besprechung des Zahnersatzes durch Implantattherapie mit möglicher Augmentation. Diskussion Eine Wurzelkanalbehandlung zielt darauf ab, das Wurzelkanalsystem bei von einer fortgeschrittenen Erkrankung betroffenen Zähnen effektiv zu erreichen, zu desinfizieren und eine erneute Infektion zu verhindern [Hargreaves et al., 2010]. Aufgrund der komplexen anatomischen Merkmale des Wurzelkanalsystems reicht die mechanische Reinigung der Kanäle allein nicht aus, um die bakterielle Kontamination bei einer Nekrose ausreichend zu reduzieren. Daher werden zusätzliche chemische Desinfektionsmittel verwendet, um die Wirksamkeit der Behandlung zu erhöhen. Diese können auch die Schmierung der Instrumente und die Auflösung von vitalem und nekrotischem Gewebe unterstützen [Lam TSK et al., 2010]. Natriumhypochlorit (NaOCl) gilt als das am besten geeignete Spülmittel in der Wurzelkanalbehandlung. Dabei werden im Rahmen der endodontischen Behandlung häufig NaOClKonzentrationen zwischen 0,5 und 5,25 Prozent verwendet. Obwohl die Konzentration selbst nicht direkt die Ursache für Zwischenfälle ist, erhöhen die chemischen Eigenschaften von NaOCl die Penetrationsfähigkeit der Lösung [Hales et al., 2001; GamalAbdel Naser et al., 2024]. Die gewebetoxischen Eigenschaften von Natriumhypochlorit sind auf dessen hohe Alkalinität (pH 10,8 bis 12,9) und Hypertonizität zurückzuführen, die zur Oxidation von Proteinen führen [Pontes et al., 2008]. NaOCl wird aufgrund seiner schnellen oxidierenden Wirkung bevorzugt, die organisches Weichgewebe auflöst und eine gründliche Reinizm115 Nr. 15-16, 16.08.2025, (1325) Abb. 3: Ausdehnung der Nekrose intraoperativ nach Entfernung des Zahns 25 Abb. 4: Wundverschluss nach Entfernung des nekrotisiertem Weich- und Hartgewebe Abb. 5: postoperativer Zahnfilm nach Entfernung der Knochennekrose Abb. 6: postoperative, leichte Wundheilungsstörung Abb. 7: Regredienz der Dehiszenz im Verlauf Fotos: Helm&Shehadeh
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